Das Kirchen-Puzzle

Die alte Stabkirche am Albrechtshaus soll umziehen. Nach 110 Jahren. Nur wenige Kilometer weiter nach Stiege. Das zumindest wünschen sich die Mitglieder eines Fördervereins, die das beschauliche Gotteshaus vor Vandalismus und dem unweigerlichen Verfall bewahren wollen. Doch so einfach, wie es sich anhört, ist das Ganze nicht. Ein komplizierter Fall.

Nur wenige Schritte von der Selketalbahn, die hier zwischen Güntersberge und Stiege verkehrt, entfernt, steht sie etwa auf halber Strecke: Die Stabkirche vom Albrechtshaus. Nur fünf dieser nordischen Bauten gibt es in Deutschland. Außer der Stieger Kirche gibt es ähnliche Häuser noch in Hahnenklee, Lübeck, Rust und in Stahnsdorf. Die in Stiege aber ist von allen die einzige, die bis heute unverändert ist. Ein Patient aus Schweden soll einst das Geld für den Bau nach seiner Heilung von der Tuberkulose hier im Albrechtshaus gespendet haben.

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Sich selbst begegnen

Die Wasserleberin Tina Siebeck lädt in ihr besonderes Kräuterlädchen ein und lässt sich vom Leben ihren Weg zeigen. Wer zu ihr kommt, der hat sich auf seinen eigenen Pfad gemacht.

Ja, ich hätte sie gerne kennengelernt“, sagt Neu-Hausherrin Tina Siebeck über ihre Vorgängerin Minna, nach der das Haus in Wasserleben benannt ist. „Minneken Hus“ steht mitten im Dorf und doch ist es eine Insel. Oma Minna wäre in diesem Mai 102 Jahre alt geworden. Oma Minnas Schwägerin, unterdessen selbst 88 Jahre alt, lud im Mai 25 Familienmitglieder an ihre Lebensstätte ein, in der jetzt Tina Siebeck mit ihrem Mann lebt.

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Die Scheunenbäckerin

Wo einst Draht gezogen wurde, bäckt heute in einem alten Forsthaus an der Selke Bettina Götze Kuchen und verwöhnt ihre Gäste.

Das Statistik-Programm von Bettina Götze spuckt es aus: Ihre Friesentorte wird viermal öfter bestellt als jede andere ihrer Kuchenkreationen. Wer so ein Stück aus Stachelbeeren, Baiser und Sahne kostet, weiß, warum. Nein, Konditorin ist sie nicht. „Ich backe den klassischen Mutti-Kuchen“, stapelt sie tief. Jeden Tag vier Kuchen, in Stoßzeiten bis zu 20. Die Gäste danken es hier.

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Helfen statt hetzen

In was für einem Land leben wir eigentlich? Diese Frage stellt sich HARZZEIT-Autorin Dana Toschner. Sie begleitete die Mitarbeiterin einer Hilfsorganisation in die Zentrale Anlaufstelle für Asylbewerber, sah traurige Szenen und traf Helfer, die Angst vor Anfeindungen haben.

ZASt-Besuch in Halberstadt. Dieser Bilder graben sich einem tief ins Herz. Gleich hinter der Schranke hocken Flüchtlinge auf dem Boden und starren ins Leere, ihr ganzes Hab und Gut um sich gestapelt. Die meisten haben ihre Kleider in Müllsäcken verstaut, nur wenige konnten in der Kleiderkammer einen Koffer ergattern. Ein Mann sitzt in einem Jogginganzug auf der Erde, mit dem Rücken an einen Container gelehnt.

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Ich bin so glücklich, hier zu sein

Afghanische Flüchtlinge machen unter den Asylbewerbern in Deutschland nach den Syrern die zweitgrößte Gruppe aus. Das spiegelt sich auch in der Zentralen Anlaufstelle für Asylbewerber in Halberstadt wieder. Ein afghanischer Familienvater erzählt, warum er sich mit seiner Frau und den kleinen Töchtern auf den Weg gemacht hat.

Amanullah Amani spricht ein bisschen Englisch. Der junge Mann aus Afghanistan steht im Zelt der Caritas und strahlt übers ganze Gesicht. „Ich bin so glücklich hier zu sein“, sagt er. Er ist mit seiner Frau und den drei kleinen Töchtern vor zwölf Tagen in Halberstadt angekommen.

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Magischer Nussknacker

Der 42-jährige Can Arslan ist neuer Ballettdirektor am Nordharzer Städtebundtheater. Nach „Peer Gynt“ bringt er nun das wohl bekannteste Weihnachtsballett auf die Bühne:
„Der Nussknacker“.

Im Ballettsaal strecken sich die Tänzerinnen und Tänzer der Compagnie des Nordharzer Städtebundtheaters, wärmen sich auf, tragen keine opulenten Kostüme, sondern lockere Kleidung. Sie unterhalten sich auf Englisch, Französisch, Katalanisch und Japanisch. Der neue Ballettdirektor Can Arslan leitet selbst das vormittägliche Training.

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Ultraleicht

Scheinbar schwerelos ziehen Segelflieger ihre Kreise. Ihre Eleganz und Geschwindigkeit faszinieren Thomas Brandes. Er will seiner Leidenschaft unbedingt nachgehen und überwindet für seinen Traum alle Hindernisse.

Linienflüge sind wie Kutsche fahren, Segelfliegen dagegen ist die Formel Eins“, sagt Thomas Brandes. In nur etwa zwei Sekunden erreicht er mit seinem Flugzeug eine Geschwindigkeit von 100 Stundenkilometern. Das Segelfliegen ist die Leidenschaft des 51-Jährigen, die er durch Zufall entdeckt hat. 2012 wurde er auf einen Segelflugverein in Wolfenbüttel aufmerksam. Eigentlich hatte der Unternehmer aber ganz andere Pläne: Statt ins Cockpit wollte er wieder aufs Motorrad steigen. Die Begeisterung für die schnellen Zweiräder hatte er auf Eis gelegt, bis er hörte, dass man die Maschinen auch für Menschen mit körperlichen Einschränkungen umbauen kann.

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Buchstabensüchtig

Anka Brüggemann ist ein „Anonymer Bookoholiker“. Naja, anonym freilich nicht so ganz. Aber mit der Sucht nach allem, was mit Büchern zu tun hat, braucht sich die Wahl-Quedlinburgerin ja auch nicht zu verstecken.

Morgens um 10, wenn die Sonne versucht, den Nebel zu vertreiben, ist es noch ruhig im „Quartier 7“. Der romantische Kunsthandwerker-Hof in der Nähe des Quedlinburger Rathauses wirkt verschlafen. Aber es wird nicht lange dauern, bis der erste Schwung Touristen das Kleinod entdeckt. Zwischen Filzmanufaktur und Kleinkunstbühne haben sich eine Keramikerin, eine Silberschmiedin, ein Glasbläser und zwei Modemacherinnen niedergelassen. Anka Brüggemann fühlt sich wohl in der Gemeinschaft dieser kreativen Köpfe: „Morgens trinken wir oft erstmal zusammen einen Kaffee.“

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Schicht im Schacht

Es herrscht Abschiedsstimmung im Besucherbergwerk „Drei Kronen und Ehrt“ in Rübeland. Die Grube wird verfüllt und gesichert. Ein Stück Bergbaugeschichte Mitteldeutschlands ist damit unweigerlich zu Ende. Dabei hatte man hier unter Tage einst sogar einen Hauch Gold gefunden.

Die Belegschaft der Schwefelkiesgrube „Einheit“ zählte zu Spitzenzeiten 460 Mitarbeiter. Gefördert wurde hier anfangs Eisenerz, später Schwefelkies. Von 1939 bis 1990 insgesamt 7 100 000 Tonnen. Mit der Wende kam für die Vorzeige-Grube der ehemaligen DDR schlagartig das Aus. Allerdings nicht unvorhersehbar. So wurde die auf dem Weltmarkt bis dato geförderte Tonne Schwefelkies mit 90 Mark bezahlt, in der „Einheit“ wurde sie mit einem Aufwand von 350 Mark abgebaut. Ein letzter Hoffnungsschimmer habe sich nach dem Finden von Goldspuren im Erz gezeigt. Von einem Anteil von 0,4 Prozent wurde gesprochen, was einer Sensation gleich gekommen wäre. Doch die Euphorie verflog recht schnell, man hatte sich leider in der Kommastelle geirrt, es waren nur 0,04 Prozent ...

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Der schwarze Müller

Seit einigen Jahren regt sich wieder etwas in der alten Kreuzmühle. Remo Sorge, ein Bildhauer aus Rübeland, hat den Platz 2008 als Ort seines Wirkens auserkoren. Hier arbeitet der Künstler aber nicht nur an seinen Skulpturen. Nach und nach saniert er auch das ganze Anwesen.

Es ist ein ruhiger Ort, fast magisch. Obwohl der Autoverkehr hier direkt vorbeifließt. Und manchmal oben auf den Gleisen noch Dampfzüge über den Krockstein-Viadukt schnaufen. Stufen führen an der Seite steil nach oben in den angrenzenden Wald. Direkt davor setzt Remo Sorge seine Projekte um. Eine gut vier Meter hohe Skulptur, die „Himmelsfahrt“, die sich nicht einen einzigen Millimeter mit der Hand bewegen lässt, beispielsweise. Oder die „Beschwipste Elfe“, ein Auftragswerk.

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