Der schwarze Müller

Seit einigen Jahren regt sich wieder etwas in der alten Kreuzmühle. Remo Sorge, ein Bildhauer aus Rübeland, hat den Platz 2008 als Ort seines Wirkens auserkoren. Hier arbeitet der Künstler aber nicht nur an seinen Skulpturen. Nach und nach saniert er auch das ganze Anwesen.

Es ist ein ruhiger Ort, fast magisch. Obwohl der Autoverkehr hier direkt vorbeifließt. Und manchmal oben auf den Gleisen noch Dampfzüge über den Krockstein-Viadukt schnaufen. Stufen führen an der Seite steil nach oben in den angrenzenden Wald. Direkt davor setzt Remo Sorge seine Projekte um. Eine gut vier Meter hohe Skulptur, die „Himmelsfahrt“, die sich nicht einen einzigen Millimeter mit der Hand bewegen lässt, beispielsweise. Oder die „Beschwipste Elfe“, ein Auftragswerk.

Seine Werke sind markant und lassen die Hand eines ideenreichen Künstlers sowie gleichermaßen soliden wie geübten Handwerkers erkennen: Der 34-Jährige schafft seit Jahren sehr imposante Kunstwerke. Die sind oftmals mehrere Meter hoch und hunderte Kilogramm schwer. Seine Arbeiten haben sich herumgesprochen. Erst jüngst hat er mehrere Skulpturen für das Musiktheaterstück „Menschenstille“ der Gruppe „Goethes Erben“ in Bayreuth zur Verfügung gestellt. >>> Gelernt hat Remo Sorge sein Handwerk in Bischofsheim in der Rhön. Wenn er arbeitet, lässt er der Fantasie immer freien Lauf. Eiche und Linde sind „seine“ Holzarten. Bevorzugtes Arbeitsgerät ist die Kettensäge. Große Werkzeuge liegen ihm ebenso wie große Baumstämme.„Ich stehe einfach drauf“, sagt er. Die Leidenschaft fürs Schnitzen und Bildhauern entdeckte Remo Sorge schon als kleiner Junge. Mit einem kleinen Wanderstock hatte alles angefangen. „Ganz allein habe ich ihn geschnitzt. Das hat mir erst niemand so richtig geglaubt. Nur mein Opa Erhard. Der hat selbst als Bildhauer gearbeitet und beispielsweise die großen Eingangsschilder für Rübeland gemacht.“ Von ihm hat der Enkel das Talent wohl ererbt. Genauso wie die alten Werkzeuge – Beitel und die vielen von Hand geschmiedeten Stecheisen. Die formen fast tagtäglich Ideen aus dem Holz. Geht es mal nicht so richtig voran, dann saniert er das Hauptgebäude direkt neben dem Mühlhaus weiter. Wo sich am Ende des 19. Jahrhunderts das Hotel Krockstein befand, später der Feriendienst der DDR einzog und auch die Technische Gebäude Ausrüstung untergebracht war – dort haben die unterschiedlichen Nutzungen deutliche Spuren hinterlassen. „Das Haus wurde einfach kaputt saniert. Decken abgehängt, statische Elemente baulich verändert. Dann lief die letzten Jahre bis zum Kauf auch noch der Regen durchs Dach. Ich bin immer noch dabei, einige verfaulte Balken auszuwechseln“, erzählt Remo Sorge. „Freunde und vor allem mein Vater helfen mir dabei, wo sie können. Ohne sie wäre das alles gar nicht möglich.“ Neben der Holzbildhauerei und dem Werkeln am Haus gilt Remo Sorges Leidenschaft der Gothic-Szene. Er findet, mit ihrem romantischen Ambiente ist die alte Wassermühle der perfekte Ort für Lesungen, kleine Konzerte, Modenschauen und Tanznächte, die er unter dem Banner „Dunkle Kunst“ veranstaltet. Haupt-Event ist in der Nacht zum 1. Mai das Beltane-Fest, das auf keltische Traditionen zurückgeht. Das Publikum allerdings kommt meist nicht aus dem Harz. Durch die Konzentration auf die schwarze Romantik konnte die Kreuzmühle überregional, ja sogar über Deutschlands Grenzen hinaus, in der Szene bekannt werden. Manch einer schaut skeptisch auf die „dunklen Gestalten“. Aber Remo Sorge versucht zu besänftigen: „Vor uns muss man keine Angst haben. Schwarz ist eigentlich nur eine Form der Zurückhaltung und die Abwesenheit von Farbe. Bei uns gibt es keinen Bubu-Kram. Wir sind ganz normale Leute, die sich heutzutage nicht mehr so wie früher aus der Gesellschaft herausnehmen.“ In das subkulturelle Zentrum ist jeder eingeladen, der Musikveranstaltungen, Literaturlesungen und andere Kunstprojekte aus der „schwarzen Szene“ erleben oder mitgestalten möchte.   Frank Drechsler

 

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