„Daran will ich wachsen“

Für Michael Rapke begann sein zweijähriges Engagement am Nordharzer Städtebundtheater  in diesem Sommer mit einer persönlichen Premiere: Er singt in „Sunset Boulevard“ seine erste Musical-Rolle.

Michael Rapke hat schon immer gesungen. „Wenn meine Mutter mich gehört hat, war es gut. Wenn nicht, war sie sich sicher, ich hecke was aus“, erzählt er schmunzelnd. Acht Jahre gehörte er zum weltbekannten Windsbacher Knabenchor. Unterdessen besuchen die Mitglieder „des  musikalischen Haushaltes“ gelegentlich die Auftritte ihres Sohnes, der nun der erste Profi-Musiker der Familie ist.

Der 32-Jährige, der aus Mittelfranken stammt, wollte zunächst Sprachen und Journalismus studieren. Er begann mit Französisch in Frankreich, merkte aber schnell, der Gesang kommt zu kurz. So folgten seine zehn Berliner Jahre. Erst das Studium, dann immer wieder Rollenangebote an der Deutschen Oper und der Staatsoper. An der Staatsoper sang er mit Berliner Jugendlichen in der Schostakowitsch-Operette „Moskau Tscherjomuschki“. „Wir müssen das Publikum von morgen heranziehen“, sagt er. Gesteht aber auch, dass er im jugendlichen Alter nicht unbedingt auf Opern fixiert war. „Aber irgendwann kommt ein Erweckungsmoment.“
Zu seinen sängerischen Herausforderungen kamen Lehrverpflichtungen an der Universität der Künste. Auch bei den Wernigeröder Schlossfestspielen hat er vor einigen Jahren vorgesungen, aber die Wunschrolle verpasst. Im Juli kehrte er von einem zweiwöchigen Gastspiel mit der Deutschen Oper Berlin aus Südkorea zurück. Irgendwann müsse aber mit der Rumfliegerei erstmal Schluss sein, meint er.
„Halberstadt kommt zur rechten Zeit, das will ich und das brauche ich“, sinniert der Sänger über seine neue Lebensstation. Ein festes Engagement zu bekommen, das sei für einen Künstler fast ein Hauptgewinn. „Hier kann ich etwas aufbauen, muss nicht nur abliefern“, erklärt er der Wechsel von der Projekt- zur Ensemble-Arbeit. Hier herrsche weniger Hektik als in Berlin und die Natur sei näher.
An der Berliner Staatsoper hat er nicht in der ersten Reihe gestanden, aber er möchte die Erfahrung zweier freier Jahre nicht missen. „Riesige Bühne, riesige Besetzung, Millionen-Budget, wer da auf der Bühne gestanden hat, der fürchtet danach keine Herausforderungen.“ Auf die freut er sich in Halberstadt, in „Rigoletto“, „Blume von Hawaii“, „Fra Diavolo“ und „Sunset Boulevard“, dem Musical, das er bereits im Sommer im Bergtheater Thale sang. „Da bin ich seit März schon immer mal zu den Proben nach Halberstadt gependelt. „Jetzt wohne ich hier. Die Atmosphäre ist nett, es gibt ein Stammpublikum und schöne Produktionen auf dem Spielplan. Bloß manchmal habe ich schon den Eindruck, die Leute fahren jeden Tag am Theater vorbei und wissen gar nicht, was darin Tolles geboten wird. Als ich eine Studentin auf unser Musical ansprach, kam nur Schulterzucken.“ Für Rapke, der auch beim Filmmusiken-Konzert im Halberstädter Friedensstadion für seinen musikalischen Auftritt Beifall einheimste, war „Sunset Boulevard“ nicht nur die erste Rolle am Nordharzer Städtebundtheater. „Nein, ich habe auch das erste Mal Musical gesungen, obwohl ich darauf schon immer Lust hatte.“
In Halberstadt gilt es, mehr Verantwortung zu übernehmen. Da könne man sich als Solist nicht verstecken. „Daran möchte ich wachsen. Als Junger bringe ich frischen Wind mit ins Haus, aber ich habe Kollegen an meiner Seite, die mir helfen, Erfahrungen zu sammeln. Das ist an so einem vergleichsweise kleinen Theater toll. Ich bin vom Ensemble gut aufgenommen worden und freue mich, hier auch neue Seiten zeigen zu dürfen.“ Michael Rapke, der einst Querflöte lernte und gerne auf die Spur scheinbar verschwundener Opern und Lieder geht, will sich das zutrauen. „Ich bin mir sicher, dass mir in Halberstadt mehr als genug Aufgaben übertragen werden, an denen ich wachsen kann.“   Uwe Kraus

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