Schöne Rüpel mit schnellen Beinen

Seit zehn Jahren betreibt Egbert Krause in Dedeleben eine Straußenfarm. Elf dieser bis zu 2,70 Meter großen Tiere leben auf seinem Hof. Obwohl sie flauschig und sympathisch aussehen, Kuscheltiere sind sie beileibe nicht.

Wussten Sie, dass man sich auf ein Straußenei stellen kann, ohne es dabei zu zerbrechen? Und dass die großen, flugunfähigen Strauße bis zu 60 Kilometer in der Stunde schnell laufen können? Nein? Bei seinen Führungen erklärt Egbert Krause Besuchern auf seiner Straußenfarm am Rande Dedelebens diese und noch weitere Besonderheiten der großen afrikanischen Laufvögel, die sich auch im Harzvorland pudelwohl fühlen.

Zurzeit legen sich Strauße, wie jedes Jahr im August, ein neues Federkleid zu. Auch die Hennen und Hähne von Egbert Krause sind jetzt in der Mauser. Krause hat sich mit seiner Straußenfarm einen Traum erfüllt. „ ‚Verkaufe Straußenküken‘ hat irgendwann mal in einer Zeitung gestanden. Da bin auf die Idee gekommen, es selbst mal zu probieren“, sagt er. 2005 hat er die ersten Küken nach Dedeleben geholt. Elf Stück. Die erste Zeit habe er bei den Tieren übernachtet. Als fürsorglicher Papa sozusagen. Die Kleinen sind mittlerweile mehr als mannshoch geworden. Bis zu 2,70 Meter groß und 60 Kilo schwer können Hähne werden. Die Hennen sind kleiner und leichter. Obwohl sie ein flauschiges Gefieder besitzen, Kuscheltiere sind es beileibe nicht. Nur Oskar, einer der drei Hähne, lässt sich von Egbert Krause aus der Hand füttern und streicheln. „Die anderen beiden dagegen sind nicht immer gut gelaunt. Von denen bleiben Sie besser zurück. Und auch zu nah an die Zäune der Gehege lässt Krause die Besucher nicht. „Das wäre keine gute Idee!“ Strauße haben lange Beine. Sie laufen nur auf zwei ihrer drei Zehen. Das, was wir als Knie ansehen, ist bei den Straußen eigentlich der Hacken. Die Kniescheibe befindet sich richtig betrachtet direkt unter dem Bauch. So können die Vogel nicht nur ungeheuer schnell laufen, sondern auch direkt nach vorne austreten. Strauße haben ein flaches Brustbein, aber­ keinen Brustkamm. Der wiederum ist Vor­aussetzung zur Ausbildung einer starken Muskulatur, die diesen Vögeln das Fliegen überhaupt ermöglichen. Außerdem sind Strauße viel zu schwer, um ihr Eigengewicht in die Lüfte zu bekommen. „Die Flügel dienen lediglich zur Balz, zum Schattenspenden und zum Halten des Gleichgewichts beim schnellen Laufen“, erklärt Egbert Krause. Auch wenn er seine Tiere gut kennt, dem Zufall überlässt Egbert Krause nichts. Gerade in der Balz seien die Hähne angriffslustig und rüpelhaft. Wenn er in den Gehegen nach dem Rechten sieht, die alle untereinander noch durch Schutzkorridore getrennt sind, unbeobachtet ist er dabei nicht. „Es gibt in allen Gehegen keine Türen, durch die ich mich flüchten könnte. Das würde ich nämlich nicht schaffen.“ Liefe ein Hahn hinter ihm her, hätte er keine Chance. Darum fangen die Zäune erst in einer Höhe von ungefähr 70 Zentimetern an. „Da bin ich schnell mal unten durch gerutscht“, erzählt er. Doch meistens sind die Tiere neugierig, kommen dicht an die Zäune, wenn Egbert Krause Besuchergruppen über das Gelände führt. Warum die Strauße so schöne Wimpern haben, werde er öfter gefragt. „Nun ja, die Hennen bekommen zweimal die Woche eine kleine Schönheitskur á la Mascara. Das freue die Straußendamen sehr“, erklärt er mit einem Augenzwinkern. Auf der Straußenfarm von Egbert Krause werden vor allem die Eier verwertet. Besucher lassen sich ein richtiges Straußenrührei gerne in der hauseigenen Gaststätte oder bei schönem Wetter auch draußen schmecken. Apropos Straußenei. Das größte Ei, das Egbert Krause hier erntete, wog 2061 Gramm. Eine Ausnahme. Sonst sind sie durchschnittlich 1,6 Kilo schwer. Aber auch das entspricht noch der Menge von etwa 25 Hühnereiern. Strauße können sehr alt werden. Bis zu 70 Jahre. Nutzbar seien sie davon etwa 40 Jahre. Was dann aus den Straußen würde, wollen Besucher wissen. „Keine Ahnung. Ich habe die Tiere ja erst seit etwa zehn Jahren. Wenn es dann soweit ist, werde ich mir Gedanken darüber machen!“ Frank Drechsler

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