Musik für Dach und Haube

Am 8. August 1973 brannte der Kirchturm zu Hüttenrode nach einem Blitzschlag bis auf die Grundmauern nieder. In Mitleidenschaft wurde auch das damals bereits stillgelegte Kirchenschiff gezogen: Es war nicht mehr zu retten. Ein Verein will dem dem Gotteshaus am Kirchbrink nun zu neuem Glanz verhelfen.

Die Kirchruine soll wieder mehr in den Mittelpunkt des dörflichen Lebens treten. Der eigens dafür gegründete Förderverein KIRCHE   will sich zusammen mit der Kirchgemeinde dafür einsetzen, dass die Kirchruine wieder als Ort der Begegnung benutzt werden kann und der Ort aus seinem Dornröschenschlaf erweckt wird.

Ideen, was hier zukünftig an Veranstaltungen möglich sei, haben die Hüttenröder Vereinsmitglieder zuhauf. Sie reichen von Ausstellungen der Ortschronisten über eine Stempelstelle des Erfolgs-
projektes „Harzer Wandernadel“ bis hin zu Turmbesteigungen, der Einrichtung eines Aussichtspunktes und einer Begegnungsstätte, in der die ortsansässigen Vereine regelmäßig zusammenkommen könnten. Aber auch Outdoor-Zelten der Pfadfinder, Gottesdienste, Erntedankfest und andere kirchliche Feste sowie verschiedene Märkte, wöchentliche Aufführungen der „Kleinen Blechmusike“, Sommerkino, Theater und nicht zuletzt Familienfeiern sowie ein ständiges Angebot von harztypischem Essen mit Bewirtschaftung – alles ist hier denkbar und auch möglich. Einer der ersten, die sich darüber Gedanken gemacht haben, war Pfarrer Hans-Georg Marschke. Er sorgte schon in den 1990er Jahren dafür, dass einige Sicherungsarbeiten ausgeführt werden konnten. Für mehr reichte das Geld nicht. Jetzt gibt es einen zweiten Anlauf. Alteingessene und Ehemalige fanden sich vor gut zwei Jahren zu ersten Gesprächen. Andreas Flügel, Frank Wiekert und Rainer Gebhardt. Parallel dazu auch Dr. Stephan Pecher und Thomas Wegener. Gemeinsam holten sie die Kirchgemeinde ins Boot, sprachen mit Mitgliedern der so genannten „Kleinen Blechmusike“, einem 1931 gegründete Posaunenchor der Hüttenröder Kirchgemeinde, und nahmen mit den Ortschronisten Kontakt auf. Die anfänglich noch lose Interessengruppe wuchs weiter an. Zu dem mittlerweile eingetragenen Verein gesellten sich schnell weitere Mitstreiter: Klaus-Dieter Binder, Jörg Hohmann, Dominik Rosenberg, Annegret Rockstedt, Detlef Pecher, Manfred Busse, Stephan Abel, Pfarrer Christoph Gutsche und an dere kamen hinzu. Nicht nur das Ziel, die Kirchruine wieder mit Leben zu erwecken, vereint sie. Für die meisten war der bedauernswerte bauliche Zustand der Kirchenruine, das Fehlen der Landmarke Kirchturm mit Haube und die Tatsache, dass seit dem Brand vor 40 Jahren diese Ruine außerhalb der Kirchgemeinde immer mehr aus dem Blickfeld gerückt war, zugleich Auslöser und Antriebsfeder hier etwas zu tun. „Nachdem das einstige, weit bis in den Harz und ins Harzvorland sichtbare Wahrzeichen durch den Brand von der Bildfläche verschwunden war, verblassten auch die Erinnerungen an Kirche und Turm. Das wollen wir ändern“, erklärte Vereinschef Flügel am Rande des letzten Arbeitstreffens. Welche Arbeiten notwendig sind und wie viel Geld aufgebracht werden muss, das ergab eine erste Architektenstudie von Mario Kowalsky und Anja Klein vom Planungsring Wernigerode. Die sieht zunächst ein Glasdach über das Kirchenschiff, die Wiedererrichtung der barocken Turmhaube und den Einbau eines ganzjährig nutzbaren Raumes als weitere Bausteine vor. Allerdings muss erst einmal Geld beschafft werden. Und nicht gerade wenig. „Die ersten Berechnungen ergaben einen Kostenrahmen von etwa 750 000 Euro“, so Vereinsvizechef Dr. Pecher. Eingespielt werden soll das durch Spenden, das so genannte LEADER-Förderprogramm zur Entwicklung des ländlichen Raumes, aber auch durch Benefizveranstaltungen. Schon nächste Woche soll es losgehen. Unter dem Motto „Musik für Dach und Haube“ wird am 9. Mai am Kirchbrink ein abwechslungsreiches Programm geboten und um Spednen geworben. Frank Drechsler

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