„Wir machen Geschichte“

Der Blankenburger Verein „History4you“ hat sich seit mehr als zehn Jahren der Geschichte des Mittelalters im Harzkreis verschrieben. Mit originalgetreuen Uniformen spielen die Vereinsmitglieder historische Ereignisse nach. Darüber hinaus setzen sie sich für den Erhalt von Bau- und Bodendenkmalen ein.

Von ihrem erhöhten Standpunkt aus haben sie alles gut im Blick, werden aber selbst nicht gesehen. Das ist beruhigend. Denn gut 150 Meter lang ist das Schussfeld, das vor ihnen liegt. Das reicht aus, um Störenfriede, Diebesgesindel und andere zwielichtige Gestalten mit ihren langen Jägerbüchsen in Schach zu halten. Sollte doch mal jemand ihren Wall erreichen, Jörg Reimann und Thomas Rostalski würden nicht zögern, ihre Steinschlosspistolen sprechen zu lassen. Die beiden Männer gehören zur Reenactment-Gruppe des Blankenburger Geschichtsvereins „History4You“. Bei ihren Vorführungen und Thementagen schlüpfen sie für ihr geschichtsinteressiertes Publikum in die Uniformen.

Dieses Mal sind der Berufsschullehrer und der Instandhalter in von ihnen selbst maßgeschneiderten Röcken der einstigen Braunschweigischen Landjäger aus dem 18. Jahrhundert geschlüpft. Sie stehen schwer bewaffnet am Kanonenplatz, dem Hauptwerk der so genannten Schwedenschanze bei Stiege. „Die Braunschweigischen Landjäger, aus denen später die Polizei hervorging, schützten und sicherten auf den Hochplateaus des Harzes schon im Winter um 1760 die wichtigen Straßen und Handelswege“, erklärt Jörg Reimann, Chef und Gründer der Truppe. Auch an der Schwedenschanze bei Stiege. Sie ist ein ausgeprägtes Beispiel dafür, dass militärische Objekte häufig im Zusammenhang mit wichtigen Verkehrsverbindungen stehen. Die Hohe Straße, eine der wichtigsten Ost-West-Verbindungen im Harzbereich seit dem Mittelalter, verläuft direkt durch die Befestigungsanlagen. So war es möglich, den gesamten Verkehr an dieser Stelle vollständig zu kontrollieren oder auch die Straße, wenn erforderlich, zu sperren. Der Verein „History4You“ wurde im Sommer 2005 gegründet. Die Gründer beschäftigten sich bereits seit den 1990er Jahren mit der Darstellung historischer Ereignisse aus dem Umfeld der ehemaligen Burg und Festung Regenstein. Die derzeit 15 Vereinsmitglieder stellen mit ihrer Kleidung und Bewaffnung, die nach originalen Vorbildern gefertigt wurden, Geschichte bis zum 19. Jahrhundert dar. Das Mittelalter vom 13. bis zum 15. Jahrhundert und das Zeitalter des Barock und Rokoko bilden die Schwerpunkte der Darstellungen. Seit mehreren Jahren veranstaltet der Verein historische Thementage und Spezialführungen auf der Burg und Festung Regenstein. Der Verein hat das Ziel, die Geschichte des Harzkreises einer breiten Öffentlichkeit bekanntzumachen. Die Geschichtsfreunde setzen sich für den Erhalt von wertvollen Bau- und Bodendenkmälern sowie weiteren historischen Hinterlassenschaften ein. Zu diesem Zweck werden Vorträge angeboten, Exkursionen zu historisch interessanten Objekten oder Veranstaltungen durchgeführt und Informationen zu regionalgeschichtlichen Themen veröffentlicht. Zu den Themen, die der Verein bildlich darstellt, gehören in diesem Jahr auf dem Regenstein unter anderem eine Festungsbesatzung, die Rechtsprechung im Mittelalter, Ritter und natürlich Pilger und Kreuzritter.

Frank Drechsler

Wir nutzen Cookies und Google Webfonts. Mit der weiteren Nutzung unserer Website erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies und Google Webfonts verwenden.
Weitere Informationen Einverstanden