Eine Frage der Ehre

Doreen und Steffen Sünder sind glücklich über die gewonnene Zeit.

Damit er seine krebskranke Frau nach der Entlassung aus dem Krankenhaus umsorgen kann, haben Steffen Sünders Kollegen aus dem Autohaus Schmidt & Söhne ihre Urlaubstage gespendet. Die Hilfsbereitschaft und das Mitgefühl machten ihn sprachlos. 74 Tage darf er sich nun zu Hause um seine Frau Doreen kümmern. Auch die HARZZEIT-Macher verneigen sich und sagen Danke – Doreen Sünder ist unsere Redaktionsassistentin.

Doreen und Steffen Sünder haben eine harte Zeit hinter sich. Monate, in denen viele Tränen flossen und sie ans Ende ihrer Kräfte gelangten. Im Sommer des vergangenen Jahres bekam die 32-Jährige Blankenburgerin die Diagnose Leukämie. Schnell stand fest, dass sie die Krankheit nur durch eine Stammzellen-Transplantation überleben würde.

Wir, ihre Kollegen bei der Halberstädter Werbeagentur IdeenGut, die unter anderem Herausgeber von HARZZEIT ist, haben gemeinsam mit der Hochschule Harz unter dem Motto „Doreen braucht dich“ eine Typisierungsaktion auf die Beine gestellt, um einen Knochenmarkspender zu finden. Die Resonanz war überwältigend: Mehr als 300 Menschen sind gekommen, um sich als potenzielle Stammzellspender registrieren zu lassen. Privatleute und Institutionen haben Geld gespendet, um die Aktion zu finanzieren. Der größte Brocken kam dabei von von der Halberstädter Filiale der Sparda-Bank – sie spendete 15000 Euro, um die Auswertung der Blutproben im Magdeburger Uniklinikum zu finanzieren.

Im Dezember erreichte uns dann die gute Nachricht: Zeitgleich zu unserer Suchaktion haben die Ärzte im Zentralen Knochenmarkspender-Register einen passenden Spender gefunden. Inzwischen hat Doreen die Stammzellen-Transplantation überstanden, doch ihr Körper ist extrem geschwächt. Chemotherapien und Bestrahlung haben Spuren hinterlassen.
Zeitgleich mit dem Aufatmen über die gelungene Behandlung stand die nächste Sorge im Raum: Wer soll und kann sich um sie kümmern, wenn sie aus dem Krankenhaus entlassen wird? Wer den Haushalt schmeißen und den Sohn umsorgen?
Ihr Ehemann Steffen, der im Ascherslebener Autohaus Schmidt & Söhne als Teiledienst-Mitarbeiter beschäftigt ist, las zu jener Zeit eine beeindruckende Geschichte aus Frankreich im Internet: Der Vater des krebskranken, fünfjährigen Mädchens Louann bat seinen Chef um unbezahlten Sonderurlaub, damit er sich um sein Kind kümmern konnte. Dann wurde er von seinen Kollegen überrascht, sie spendeten 262 Urlaubstage. Er konnte mehr als ein Jahr mit seiner Tochter verbringen, ohne sich Geldsorgen machen zu müssen.
„Ob meine Kollegen auch so großzügig wären“, fragte sich Steffen Sünder leise, bevor den Link zu dieser herzerwärmenden französischen Geschichte auf Facebook teilte. Er wurde nicht enttäuscht. Auch für seine Kollegen war es eine Frage der Ehre: Viele von ihnen spendeten freie Tage und Überstunden. Auch die Autohaus-Chefin Anke Schmidt selbst legte noch ein paar Tage obendrauf. „Das habe ich echt nicht erwartet“, sagt Steffen Sünder gerührt. Ein gutes Vierteljahr kann er nun zu Hause bleiben, um seiner Frau zur Seite zu stehen. „Ich möchte allen von ganzem Herzen danken.“
Zusammen mit Sohn Lukas genießen sie es nach den vielen aufreibenden Wochen, wieder als Familie zusammen sein. „Das eigene Bett, das eigene Sofa, danach habe ich mich so gesehnt. Die vielen Wochen im Krankenhaus haben mich mürbe gemacht. Aber nun geht es bergauf“, sagt Doreen Sünder und drückt ihrem Mann einen Kuss auf Wange.

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