Total verhexte Minigolfer

HZ1016 Minigolf

Verfolgt von den Blicken grimmiger Holz-Damen versuchen Minigolfer ihr Glück auf der neuen „Adventure HexenGolf“-Anlage in Thale. Das Spiel auf der 18-Loch-Anlage im Tierpark auf dem Hexentanzplatz hat mit den üblichen relativ schmucklosen Minigolf-Betonbahnen nichts gemein. Ein privater Investor hat hier eine besondere Attraktion geschaffen.

Von FRANK DRECHSLER
Stumm, aber mit strengem Blick scheinen sie über das Treiben auf der neuen Adventure-Golfanlage auf dem Hexentanzplatz in Thale zu wachen: zwölf mannshohe, furchterregend dreinschauende Hexen. Sie hören auf Namen wie Arbocusta, Bestazia, Cruenta oder Limosia und sind aus massiver Eiche geschnitzt. Die Figuren sind den Büchern der Harzkrimi-Reihe „Im Schatten der Hexen“ der Halberstädter Autorin Kathrin Hotowetz entlehnt.

Mit sehr mystischen Versen, die Besucher an den Standorten der Hexen nachlesen können, begleiten sie die Spieler, die versuchen, die Parcours zu meistern. Golf auf dem Hexentanzplatz, und dann auch noch mitten in einem Tierpark. Hhmm. Geht das denn überhaupt? Ja, und wie. In den ersten drei Wochen, nachdem die Anlage Mitte Juli beim hiesigen Tierparkfest in Betrieb genommen wurde, probierten sich hier bereits 10 000 Besucher aus. Sogar ein Fanclub, der hier regelmäßig spielt, hat sich schon gebildet. „Der Bahnrekord liegt zurzeit bei 39 Schlägen und wird von mir selber gehalten“, schmunzelt René Hölke.

Der 45-jährige kommt aus Langeln, ist von Haus aus Immobilienverwalter und „wollte schon immer mal was in Richtung Tourismus machen“. Beim Besuch einer ähnlichen Golfanlage vor drei Jahren in Braunlage kam er auf die zündende Idee, sich selbst mit einem solchen Projekt auszuprobieren. Zunächst hatte er in Wernigerode angefragt, dort aber keine geeignete Fläche gefunden. In Thale anfangs auch nicht. Als dann aber Tierparkchef Uwe Köhler „irgendwie Wind von dem Vorhaben bekommen hat“, sei alles sehr schnell gegangen, erzählt René Hölke.

Was wurde gemacht? Der Tierpark stellte Hölke eine Fläche von rund 3 200 Quadratmetern Größe zur Verfügung, wo er rund eine halbe Million Euro investierte. 300 Tonnen Harzer Granit wurden hier verarbeitet, um die Golfanlage auch möglichst harztypisch in die Umgebung einzupassen.

Die 18-Loch-Golfanlage kann auf zwei verschiedenen Parcours gespielt werden. Der barrierefreie Kunstrasen, auf dem die Golfer wandeln, macht das Spielen zum wahren, aber auch anspruchsvollen Vergnügen. Denn die Bahnen sind nicht nur zwischen 8 und 20 Meter lang, sie bieten auch verschiedene Schwierigkeitsstufen. Sandbunker, Wasserhindernisse und große Findlinge wurden als Schikanen geschickt platziert. Und ein richtiges, schwimmendes Floß, das als Fähre die Golfer von Bahn acht zu Bahn neun befördert, wurde in den Parcours integriert. Vor allem die Kinder sind begeistert, wenn sie hier mit Muskelkraft übersetzen.

Die überall zuschauenden hölzernen Hexen machen die neue Attraktion auf dem Hexentanzplatz komplett. Die Idee, hier übergroße Hexenfiguren aufzustellen, hatte übrigens Wolfgang Bonke vom Freundeskreis „HarzRitter“. Der Verein initiierte an verschiedenen Orten im Harz einen Schnitzwettbewerb, an dem sich mehrere Künstler mit ihren Kettensägen beteiligten. Die Hexen seien so, wie sie jetzt aussehen und hier stünden, reine Geschöpfe ihrer Fantasie, so Hölke. Was in der Anlage auch nicht fehlt, ist ein knuffiges Hexenhäuschen. Es ist mit richtigen Holzschindeln gedeckt, dient als Kiosk und Verpflegungsstation für hungrige und durstige Minigolfer.

An Tischen kann man hier direkt neben der Anlage Platz nehmen, entspannen und dem Treiben zuschauen. Am Hexenhäuschen werden auch die Golfschläger und -bälle an die Spieler ausgegeben. Die müssen übrigens für den Golfspaß nichts berappen: Das Spielen ist durch den entrichteten Eintrittspreis im Tierpark bereits abgedeckt. Diese Variante hat sich als die praktikabelste für alle Beteiligten erwiesen.

Hölke selbst wird als Investor und Pächter anteilmäßig an den Einnahmen des Tierparks beteiligt. Für ihn und Köhler eine echte Win-Win-Situation. Etwa 100 000 Besucher werden im Tierpark jährlich begrüßt. Viele von ihnen dürften das neue, attraktive Angebot als zusätzlichen Spaß für die ganze Familie gern annehmen und so die Verweildauer deutlich erhöhen.

 

 

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