Uriges aus dem alten Gemäuer

Aus unscheinbaren Tonklumpen entsteht in einem denkmalgeschützten Haus in der Mitte von Schierke unter den Händen von Dana Grundmann Gebrauchskeramik, die im ganzen Harz auf den Tisch kommt.
Von Uwe Kraus

Dana Grundmann liebt das Erdige, das Grün und Blau. „Das passt bestens hier in den Harz.“ Die 48-Jährige sitzt an ihrer Drehscheibe im Wernigeröder Ortsteil Schierke und formt mit Liebe zum Detail Geschirr, Vasen und Kannen. Gerade hat die Familie umgebaut, mehr Platz für ihr Lädchen geschaffen, doch der Blick vom Arbeitsplatz auf den Kirchberg vor der Tür bleibt. So sieht Dana Grundmann die Menschen, die durch den Wintersportort pilgern und in ihr uriges Gemäuer treten. Das Gebäude mit seinen Feldsteinwänden steht seit Jahrhunderten für Wärme. Einst brannte hier ein Schmiedefeuer, heute sind es drei Brennöfen, die dafür sorgen, dass die Arbeiten der Töpferin nicht nur schön aussehen, sondern nach dem Brand mit 1230 Grad auch lebensmittelecht, geschirrspülmaschinenfest und mikrowellengeeignet werden. „Ich mache hier Gebrauchskeramik, verstehe mich als Handwerkerin.“ Dana Grundmann erlernte den Beruf von der Pieke auf. „1987 bis 1989 im VEB Holz- und Kulturwaren Naumburg“, erinnert sie sich lachend an damalige Zeiten. Dort holte sie sich ihr Rüstzeug, lernte, wie sie die erdfarbene Keramik innen mit einer Glasur überzieht, die Außenhaut mit Manganpulver abreibt, aber auch andere Färbetechniken nutzt.

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In der Blankenburger Werkstatt von Uwe Schellbach machte sie ihre ersten Schritte als Gesellin. „Ich habe erlebt, dass sich einmal im Monat beim Verkauf, der von 15 bis 18 Uhr dauerte, seit Mittag die Kunden vor der Ateliertür drängten und abends der Laden leergekauft war. Aber ich war auch dabei, als mit der Grenzöffnung der Markt zusammenbrach.“ Es gab damals Dinge, die wichtiger waren als schöne Keramik.

Die Ostsee-Liebhaberin ging ans Meer und arbeitete eine Saison als Zimmermädchen. Um danach in der Töpferei bei Klaus Lindner in Börnecke wieder in den erlernten Beruf zurückzugehen. Eigentlich sei sie Hasselfelderin, doch ihren Traum erfüllte sich die Familie, als sie die „Alte Schmiede“ in Schierke erwarb. „Wir haben umgebaut, saniert, meine Werkstatt eingerichtet, keine leichte Zeit“, erinnert sich Dana Grundmann heute. 1997 war es dann soweit: Ihr eigenes Atelier lädt die Kunden zu Besuch ein. Gleich nebenan wohnen die Grundmanns. Danas Mann ist „mithelfender Ehemann“. Ihn findet man nicht an der Töpferscheibe oder am Brennofen, er ist der Logistiker, wie seine Frau es nennt. „Ich produziere, er betreut den Online-Shop und regelt den Versand, hält mir den Rücken frei.“ Auch wenn die Chefin nicht der Zahlen-Typ ist, eins weiß sie: „Unser lederfarbener Ton kommt aus dem Westerwald, dreimal jährlich, anderthalb Tonnen per Spedition.“

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Ihre beiden Kinder haben nicht viel vom Töpfer-Gen mitbekommen. Der 17-Jährige hat nichts mit dem Ton am Hut, die Tochter, die 23 und Erzieherin ist und gerade Sozialwissenschaften studiert, macht sich in der Töpferei ebenso rar. „Aber ich habe auch schon etwas verkauft, was sie hier gedreht hat.“ Verkaufen ist ein Stichwort für die Frau mit dem Firmen-T-Shirt, auf dem ihr Name und die Adresse des Shops zu lesen sind. „Wir haben gerade auf den Adventshöfen in Molmerswende gestanden. Töpfermärkte beschicken wir eigentlich nur zwei: in Halberstadt auf dem Domplatz, wo eine tolle Atmosphäre herrscht, und in Tangermünde.“

Aber die Töpferin aus der „Alten Schmiede“ trifft man auf vielen regionalen Märkten. „Da stehe ich neben anderen Handwerkern, aber auch bei Imkern, Likör- und Würstchenproduzenten.“ Das bringt durchaus neue Kontakte. Deshalb findet man in dem markanten Schierker Häuschen neben Keramiken befreundeter Töpferinnen aus Thale oder Halle auch Wein aus Westerhausen und Liköre aus der Gernrode, Schnitzereien und besondere Harzkarten. „Wir merken schon, dass wir fast der einzige klassische Laden in unserem Touristenort sind.“ Unterdessen weiß die Handwerkerin aber auch: „Ich darf keineswegs die Online-Wege vernachlässigen. Viele Leute schauen im Netz, es wird nicht mehr unbedingt drüber gestrichen und angefühlt.“

Dank ihres Mannes, der die Statistik führt, weiß sie auch, was im Laden und im Versand besonders gut geht. Mein Standard-Spruch ist: „Tassen verkauft man immer.“ Und greift flugs zur Kaffee-Tasse, die sich einst natürlich auf der eigenen Töpferscheibe drehte. „Gebrauchskeramik“ sagt Grundmann bewusst. „Draus trinken, davon essen, es nutzen, Freude am Geschirr zu haben, das gibt ein besonderes Gefühl. Ich habe durchaus Kunden, die mein Geschirr „für gut“, wie sie sagen, aufheben und nur an besonderen Tagen auf die Tafel stellen.“

Aber ihre Services kommen anderswo täglich auf den Tisch. Schließlich hat die Schierkerin mehrere Restaurants mit Tellern, Tassen, Bechern und Co. stilgerecht ausgestattet. Dazu zählen das Rodelhaus am Wurmberg in Niedersachsen, die Ziegelalm Sophienhof in Thüringen und das Café Holunderbaum an der Konradsburg. Und wenn es gewünscht wird, dreht die Töpferin auch Kaf-feekannen für zwei Liter Inhalt. An der Scheibe Tassen, Becher oder Vasen zu drehen, geht vergleichsweise schnell.

Doch die Rohlinge werden verziert, härten aus und müssen stundenlang in den elektrischen Brennofen. So entstehen auch Seifenschalen, Duftlampen und Leuchter. Manchmal melden sich Keramik-Liebhaber mit Spezialwünschen. Weil ein Teil des Services zu Bruch geht, Gesehenes nachmodelliert oder in einer anderen Farbe gestaltet werden soll. „Alles Machbare kommt dann auch auf die Scheibe“, versichert Dana Grundmann. „Und wir sind im März wieder beim Tag der offenen Töpferei dabei.“

Doch bei ihr können die Gäste nicht nur Fertiges kaufen. „Wir bieten seit vielen Jahren Töpferkurse an.“ In den Sommer-, Herbst- und Winterferien nutzen Kinder dieses Angebot. Aber die „Alte Schmiede“ erlebte schon besondere Weihnachtsfeiern von Arztpraxen, Junggesellinnen-Abschiede und Kindergeburtstage. Ab 2020 plant die Töpferin feste Kurstermine in ihrem denkmalgeschützten Haus. So sehr es die Tourismus-Manager freuen würde, die aktiven Gäste in der Töpferei müssen nicht nochmal in Schierke vorbeischauen, um ihre fertiggebrannten Werke abzuholen. Grundmanns verschicken sie. „So dass nochmal eine Portion Urlaub kommt, wenn der längst vorbei ist.“ 

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