Zeitreise mit Frosch

Eigentlich hatte Andrea Gall nie vor, ein Café zu eröffnen. Dann aber hat sie sich in das ehemalige Bürgermeister-Haus in Gernrode verliebt und später die Weichen für die Eröffnung des „Froschkönigs“ gestellt.  Ihr liebevoll eingerichtetes Café wurde vor zwei Jahren vom „Feinschmecker“ zu einem der besten in Deutschland gekürt. Es ist ein echtes Schmuckstück.

Das Café „Froschkönig“ im kleinen Gernrode, direkt gegenüber der Stiftskirche, kann es mit jedem Großstadt-Café dieser Welt aufnehmen. Man wähnt sich in Leipzig, Dresden oder Berlin, so stilvoll eingerichtete Cafés findet man in der hiesigen Gegend jedenfalls selten. Der Charme längst vergangener Zeiten paart sich im „Froschkönig“ mit einem märchenhaften Ambiente. „Die Gäste sollen in Erinnerungen schwelgen, wenn sie die Möbel sehen“, sagt die Inhaberin Andrea Gall. „Manchmal sucht man ja gerade die Gemütlichkeit alter Zeiten.“

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Liebe auf den ersten Blick

Viele Holländer lieben den Harz, aber Marie Mens liebt die Gegend ganz besonders. Sie und ihr Mann Anton haben sich Ende 1990er Jahre in den Bahnhof in Dedeleben verguckt. „Als wir das Gebäude zum ersten Mal sahen, stand unser Entschluss fest: Hier wollen wir wohnen. Es war Liebe auf den ersten Blick“, erinnert sich Marie Mens.

Die Holländer sind ein reiselustiges Völkchen. Viele sind angetan von der Harzer Landschaft, den Menschen und nicht zuletzt den alten Gebäuden. Marie und Anton Mens bilden da keine Ausnahme. Die Büroangestellte und der Lokführer sind seit Jahrzehnten Fans alter Eisenbahnen. Sie und ihre beiden Töchter lieben alles, was damit zu tun hat. So führten ihre Reisen immer wieder auch an verschiedene Orte Europas. Dorthin, wo die Region immer auch noch ein bisschen his­torische Eisenbahngeschichte atmet. So, wie an vielen Stellen in Deutschland eben. Einmal Eisenbahner, immer Eisenbahner.

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Das Kräuterweib

Simone Schalk zählt zu den bekanntesten Kräuterfrauen im Harz und lädt von März bis Oktober jedes Wochenende zu Kursen nach Molmerswende ein.

Ich bin zu meinen Wurzeln zurückgekehrt“, sagt Simone Schalk und meint damit nicht ihren Umzug aus dem Einfamilienhaus in Hettstedt in ein ausgebautes Bauernhaus in Molmerswende vor zehn Jahren. Sie denkt eher an den Bauernhof der Großeltern und das, was ihr Vater ihr erzählt hat. „Er hat mir Bäume, Pilze und Pflanzen gezeigt, also den Grundstein für das gelegt, was ich heute liebe.“ Er verstarb recht früh, vieles von dem, was er Tochter Simone beigebracht hat, ging verschütt. „Ich konnte ja später kaum den Löwenzahn von der Brennnessel unterscheiden“, erinnert sie sich lachend.

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Die Schwalbes aus der Höhle

Das kleine Langenstein bekommt oft neugierigen Besuch: Die Wohnhöhlen, die 1855 bis 1858 Landarbeiterfamilien mit Hammer und Meißel in Stein gehauen hatten, ziehen jedes Jahr Tausende Besucher an. Das Ehepaar Schwalbe kümmert sich gemeinsam mit einigen Mitstreitern um den Erhalt der skurrilen Behausungen.

Ein kleines Fachwerkhäuschen in ländlicher Idylle. Im Gartenteich drehen die Fische gemächlich ihre Runden. So viel Ruhe wie die Fische haben die Schwalbes nicht. Das Langensteiner Lehrerehepaar genießt seit gut 16 Jahren eine Art Unruhezustand. Den aber mit Begeisterung.

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In einer anderen Welt

„Ich versuche, in ihren Schuhen zu gehen, mit ihren Augen zu sehen“, sagt Anja Kozourek. Sie arbeitet mit verwirrten alten Menschen, versucht sie zu verstehen und ihre Signale zu deuten. Ihr Tun kann nicht nur den Demenzkranken selbst helfen, sondern eröffnet auch ihren Angehörigen neue Sichtweisen.

Manchmal schreit Elisabeth Heinemann laut auf. Es klingt, als hätte sie Wut auf irgendetwas. Die alte Dame sitzt mit geschlossenen Augen in ihrem Rollstuhl, hält die Hände ineinander verkrampft und bekommt nicht mehr viel von ihrer Umwelt mit. Zumindest scheint es so, denn wie es in der 82-Jährigen aussieht, was sie fühlt, weiß letztlich nur sie selbst. Schon seit zwei Jahren kann sie nicht mehr sprechen. Elisabeth Heinemann ist dement, in einem fortgeschrittenen Stadium.

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Zerbrechliche Kämpferin

Anja Schröter ist die Kleinste unter den Großen. Die 35-jährige Halberstädterin misst nur 80 Zentimeter. Sie leidet unter einem Gendefekt, der sogenannten Glasknochenkrankheit, und ist stolz darauf, weitgehend selbstständig leben zu können.

Manchmal, wenn Anja Schröter allein mit ihrem E-Rolli in der Stadt unterwegs ist, sprechen sie Omas an und loben ihre Tapferkeit: „Wie alt bist du denn? Du machst das aber schön mit dem Rollstuhl!“ Wenn Anja Schröter ihnen dann antwortet, dass sie 35 ist, bleibt den Damen vor Verblüffung der Mund offen stehen. Manchmal kann sie darüber lachen. Manchmal ärgert es sie, nicht für voll genommen zu werden.

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