Fluffiges in XXL

Am höchsten Punkt von Blankenburg gehen rekordverdächtige Klöße auf. Auf dem Ziegenkopf kommen Super-Exemplare auf die Servierplatte.

Die Platte, auf der Annette Stock den Hefekloß serviert, hat die Länge ihres Unterarmes. Heiße Kirschen und Vanillesauce finden kaum noch Platz neben dem größten Hefeklöße der Welt. „Die sind unsere Spezialität. Dafür kommen unsere Gäste aus allen Ecken des Landes.“ Aus Ulf Kruft, der mit seiner Frau Annette hier seit 1. September 2000 die Gäste verwöhnt, spricht der Stolz.

Ein Pärchen reist alle zwei Wochen aus Erfurt an, die Gäste kommen aus der Region rund um Blankenburg, aus Berlin, Leipzig oder auch mal aus dem Ruhrpott. „Schneesturm“, „Rübezahl“, „Hexenzauber“ oder „Kirschtraum“, „Kokosnuss“ und „Steffani“ heißen ihre süßen Kreationen. Ob mit Heidel- oder mit Himbeeren und Vanillesauce, auf „Ukrainische Art“ mit Butter, Mohn und Zucker oder als „Waldkuss“ mit Waldfrüchten, unter 20 Varianten kann der Gast wählen. Doch der Renner gegenwärtig ist nicht der Mega-Hefekloß mit Heidelbeeren, über Jahre die Nummer 1 auf dem Bestellzettel, sondern der Kloß „Harzer Art“ hat ihn überholt. Das ist ein riesiger Hefekloß mit Wildgulasch. „Ich denke, das kulinarische Geheimnis liegt in der Kombination von Süßen und Herzhaftem. Das liebt der Gast!“, meint Ulf Kruft. Dass der Kloß in der Küche zubereitet wird und aufgeht, versteht sich. Doch auch das Fleisch hat kurze Wege. Es ist Wild aus der Region, besonders aus Allrode. „Bei uns auf dem Ziegenkopf verarbeiten wir das Rotwild komplett“, erklärt Annette Stock.
„Wir verraten ja nicht alles, aber die Gäste stehen darauf, wie hier gekocht wird“. Ulf Kruft fügt an: „Wie zur Zeit unserer Eltern. Hier findet keine Maggi-Tütchen und Fertigrotkohl. Nur Fischstäbchen machen wir nicht selbst. Unsere Soljanka und die Wildsuppe rührt Nancy Durant in unserer Küche. Die steht seit zehn Jahren an unserem Herd und ist ein Garant unseres Erfolges.“ Sechs Mitarbeiter gehören zum Team. An Supertage zu Ostern oder Pfingsten packen die unterdessen erwachsenen Kinder mit zu, schließlich drängen sich dann die hungrigen Besucher auf den 70 Innen- und 50 Terrassenplätzen oder gar noch auf den 35 Stühlen im Mehrzweckraum. Viele Blankenburger machen sich selbst in den Wintermonaten zum Ziegenkopf auf. Schließlich warten dort selbstgebackener Kuchen und Belgische Waffeln nach einem Hausrezept mit heißen Kirschen und Apfelmus. Doch derzeit steht zum Kaffee ein Hefekloß-Hit obenan. Für die Ziegenkopf-Besatzung quasi ein „Mini-Mahl“. Der „Harzer Kringel“ gilt als absolutes Klein-Format und wird mit heißen Kirschen, Vanillesauce und -eis verfeinert.
Wer ob der XXL-Hefeklöße zweifelnd schaut, dem erzählt das Eigentümerpaar aus Wernigerode, dass es durchaus Gäste gibt, die noch ein zweites Exemplar ordern. Denn wer sich zur schon von weitem sichtbaren Gaststätte in 401 Meter Höhe wandernd oder per Rad aufmacht, der kann einen Hefekloß, der eine ganze Fleischplatte füllt, durchaus schaffen. Und wer einmal auf dem Ziegenkopf war, der wird zum Wiederkehrer. Bietet sich doch auf dem Berg ein toller Aussichtsturm, dessen Dach Freikletterer repariert haben, eine Pension mit Hochzeitssuite und wie es zum Ziegenkopf passt: Ziegen. Wenn die auch früher schon mal gestohlen worden seien. Zur Geschichte, gibt es mehrere Geschichten. Am 9. Mai 1851 habe eine Prozession nach Hüttenrode hier an der „Ziegenkoppel“ verweilt und wurde von einem Blankenburger Wirt versorgt. Ende 1899 entstand der Turm, auf den heute der Denkmalschutz ein Argus-Auge wirft.
Ein besonderes Rezept für ihre Beliebtheit? Ulf Kruft und Annette Stock schütteln den Kopf. „Es ist die Einmaligkeit unserer Riesenklöße. Die Hefe muss richtig aufgehen. Die Fluffigkeit hinzubekommen, das ist der Trick.“ Ihnen sei auch noch nach Jahren der Appetit auf ihre Hefeklöße geblieben. Uwe Kraus

Berggasthof & Pension “Ziegenkopf”
Ziegenkopf 1
38889 Blankenburg / Harz
Telefon: 03944 – 35 32 60
www.ziegenkopf.de