Das Kirchen-Puzzle

Die alte Stabkirche am Albrechtshaus soll umziehen. Nach 110 Jahren. Nur wenige Kilometer weiter nach Stiege. Das zumindest wünschen sich die Mitglieder eines Fördervereins, die das beschauliche Gotteshaus vor Vandalismus und dem unweigerlichen Verfall bewahren wollen. Doch so einfach, wie es sich anhört, ist das Ganze nicht. Ein komplizierter Fall.

Nur wenige Schritte von der Selketalbahn, die hier zwischen Güntersberge und Stiege verkehrt, entfernt, steht sie etwa auf halber Strecke: Die Stabkirche vom Albrechtshaus. Nur fünf dieser nordischen Bauten gibt es in Deutschland. Außer der Stieger Kirche gibt es ähnliche Häuser noch in Hahnenklee, Lübeck, Rust und in Stahnsdorf. Die in Stiege aber ist von allen die einzige, die bis heute unverändert ist. Ein Patient aus Schweden soll einst das Geld für den Bau nach seiner Heilung von der Tuberkulose hier im Albrechtshaus gespendet haben.

1905 wurde die Kirche fertiggestellt. Das Gebäude besteht komplett aus Holz. Ein Schmuckstück. Ein Kleinod, das es zu bewahren gilt. Das findet nicht nur Helmut Hoppe, Ortsbürgermeister von Stiege und Vorsitzender des Fördervereins. Der 79-Jährige gehört zum Kreis von etwa 30 rührigen Gleichgesinnten, die vor einem Jahr eigens einen Förderverein zur Rettung des Gotteshauses gründeten. Aus gutem Grund.
Denn seit die Heilstätte 1993 aufgegeben worden war, verwaist das Areal zusehends und wurde immer wieder Ziel von Vandalen. Vor zwei Jahren fackelten Brandstifter das große, markante Hauptgebäude ab. Ein Schicksal, das der Stabkirche erspart werden soll. Denn auch hier haben sich Unbekannte bereits mehrfach zu schaffen gemacht. „Mit Kettensägen haben sich Einbrecher Zutritt verschafft, hier auf Beute gehofft und geklaut, was Geld zu bringen versprach. Die Dachrinnen aus Kupfer etwa und auch die Kirchenglocke. Darüber hinaus wurden dann noch zahlreiche Bleiglasfenster zerschlagen. Daher mussten alle Fenster und Türen vor weiterer Zerstörung mit Metallblenden gesichert werden“, erzählt Helmut Hoppe.
Vorübergehend natürlich und so lange, bis klar ist, wo die Kirche wieder aufgebaut werden soll. Und, wie die dafür veranschlagten 500.000 Euro aufgebracht werden können. „Denn soviel wird der Umzug wohl kosten“, schätzt Sybille Ziesenhenne, Bauingenieurin und Mitglied des Fördervereins. Die Kirche selbst würde der Verein für einen symbolischen Preis von der Immobiliengesellschaft, der auch das Albrechtshaus gehört, bekommen. Der Plan, das Haus auf einem Tieflader abzutransportieren, musste verworfen werden. Auch wenn es nur sieben Kilometer weit nach Stiege gehen soll: die Zufahrten sind zu schmal, Straßen und Kurven zu eng.
Geplant ist daher, das Kirchlein abzubauen, nach Stiege zu bringen und dort Stück für Stück wieder zusammenzusetzen. Wie ein großes Puzzle eben. Allerdings steht noch nicht fest, an welcher Stelle überhaupt. Geeignete kommunale Grundstücke, für die es beim Wiederaufbau auch eine Genehmigung geben würde, seien vorhanden. Da die Stadt Oberharz am Brocken ja bekanntlich selbst genügend finanzielle Problemen hat, müssten die Kosten für das hehre Vorhaben dabei in Gänze vom Förderverein aufgebracht werden. Refinanziert werden soll der Umzug nach dem Wiederaufbau mit Besichtigungen, Führungen und auch mit Veranstaltungen, wie beispielsweise Buchlesungen. Und natürlich Hochzeiten. Bis vor zehn Jahren war das auch hier am jetzigen Standort noch möglich. Sabine Brandt, ebenfalls Fördervereinsmitglied, hat in der alten Holzkirche ihrem Marko das Ja-Wort gegeben. Um nicht im Dunkeln vor dem Altar zu stehen, musste damals übrigens ein Stromgenerator der Feuerwehr für „Saft“ sorgen. Frank Drechsler

www.stabkirche-stiege.de