Den Alltag wegtanzen

„Wenn man, wie ich, auf Kuba geboren wird, hat man das Tanzen im Blut“, erklärt Elayne Pérez Díaz. „Mit dem ersten Schritt ins Leben beginnt man zu tanzen.“ Mit ihrer Begeisterung will sie die Harzer anstecken – und unterrichtet Zumba in Kursen der Kreisvolkshochschule.

Als Elayne Pérez Díaz 1999 nach Deutschland kam, stand für sie fest, dass sie beruflich mit Kindern arbeiten wollte. Doch sie dachte, „als Erzieherin muss es auch sprachlich stimmen“ und wurde erst einmal Tourismusassistentin. Im Carl-Ritter-Haus in Quedlinburg, dem Domizil der Kreisvolkshochschule Harz, hat sie einst in einem Kurs „Deutsch für Ausländer“ gelernt, nun gibt sie selbst dort Zumba-Kurse.

Als sie das erste Mal gefragt wurde, winkte sie ab. Heute sagt die ausgebildete Trainerin für Zumba und Fitness: „Das ist genau meine Welt. Ich kann gar nicht mehr ohne.“ Beim Training singt Elayne Pérez Díaz, die Kinder in ihren Kursen in Thale singen unterdessen spanisch mit. „Ich mache jetzt das, was ich mir immer gewünscht habe – mit Kindern arbeiten, ob in der Grundschule am Kleers in Quedlinburg, in der Kreisvolkshochschule oder im Kinderladen Reichenstraße. Ich bin auch bei den Schulprojekten zum globalen Lernen dabei.“ Ihr Training reflektiert ihr Lebensgefühl. „In meinen Adern fließt kubanisches Blut, das lebe ich aus.“ Lachend fügt sie an: „Ich habe mich aber schon ans Deutsche gewöhnt. Ich bin wirklich schon viel pünktlicher geworden.“ Elayne Pérez Díaz improvisiert gern. „Die Zumba-Musik kennt man ja, sie ist sehr eingängig. Ich mische das für die Kids mit aktuellen Hits, die sie aus dem Radio kennen.“ Das gefalle den kleinen Kursteilnehmern. „Ich stelle mich aber auch als Zumba-Gold-Trainerin auf meine älteren Teilnehmer ein, die teilweise in ihrer körperlichen Beweglichkeit etwas eingeschränkt sind.“ Zumba sieht die 36-Jährige, die meist auf dem Fahrrad unterwegs ist, als „wunderbare Verbindung vom Motorik, Rhythmus, Bewegung und Musik.“ Da sei alles drin, ohne dass es die Teilnehmer vordergründig bemerken. Die Kinder entwickeln ein Gefühl dafür. „Es sind coole Tänze, die sich einfach erlernen lassen. Die Kinder sind voll dabei. Ich unterscheide da nicht nach dem Alter der Teilnehmer: Eins ist wichtig – wir sind hier drinnen beim Zumba, das Belastende der Welt bleibt vor der Tür.“ Einige ihrer Teilnehmer kennt sie seit Jahren. „Vom ersten bis jetzt zum fünften Kurs haben die sich ganz toll entwickelt, sie sind beweglicher geworden. Ich sehe es gleich an ihrer Körperhaltung.“ Dass sie jedes Jahr für vier bis sechs Wochen nach Kuba fliegt, ist für sie „ein Muss“. „Da sättige ich meine Gefühle. Das Wetter ist schöner, der Stress fällt ab, ich lebe wieder ganz anders. Und doch spüre ich: Ich kann nicht ohne Deutschland – so wie ich nicht ohne Kuba kann.“   Uwe Kraus