Wenn die Bühne ruft ...

Schauspielern, Regie führen oder als Comedian auftreten – wenn Lisa Ulbrich, Paula Schlager und Alexander Meinke über ihre Hobbys berichten, ist die Verwunderung meist groß. Ihr Talent können sie und andere Jugendliche auf der Bühne des Nordharzer Städtebundtheaters in Halberstadt unter Beweis stellen.

Der Puls ist hoch, die Blicke sind verlegen – so fühlt sich die erste große Liebe an. Die Bilder, die auf der Leinwand in der Alten Kantine im Nordharzer Städtebundtheater zu sehen sind, flimmern mindestens so heftig wie die Herzen der Hauptdarsteller. „In ‚Das Leben ist kein Drehbuch 2’ erzählen wir die Geschichte von drei Freundinnen, es geht um Liebe, Freundschaft und Intrigen.

Es gibt aber auch dramatische Szenen“, beschreibt die 15-jährige Paula Schlager den Film, den sie gemeinsam mit ihrer Freundin Lisa Ulbrich gedreht hat. Die „Spotlight Night“ des Theaters ist für viele tatsächlich das erste Mal: Seit Oktober 2012 präsentieren sich hier alle drei Monate immer wieder neue junge Künstler ihrem Publikum. „Von Kabarett über Einzel- oder Bandauftritte in verschiedensten Musikstilen, Comedy, Solostücke bis hin zu Filmen und Performances haben wir ganz unterschiedliche Jugendliche aus dem Harzkreis zusammen gebracht“, sagt Anja Grasmeier, Theaterpädagogin des Nordharzer Städtebundtheaters. Das ist oft gar nicht so einfach. „Viele junge Künstler trauen sich nicht aus ihrem stillen Kämmerlein heraus“, stellt die Theaterpädagogin fest. Damit die ersten Schritte auf die Bühne so leicht wie möglich fallen, wurde die Alte Kantine bewusst ausgewählt. Sie ist bei weitem nicht so riesig wie das große Haus. Zwischen den mit dunkelrotem Samt bezogenen Klappsesseln aus einem alten Kino wirft der Projektor an diesem Abend den Film der Gymnasiastinnen auf die Leinwand. Ihr 60-Minüter fesselt, vielleicht auch weil man Teile der Kulisse kennt: Den Abteigarten, den Brühl und den Marktplatz in Quedlinburg. Nach der Schlussszene berichten die beiden Mädchen im Gespräch mit Anja Grasmeier von den Dreharbeiten und erzählen, wie es zur Idee für den Film kam. „Ich schaue eigentlich gar kein Fernsehen“, gibt Paula zu. Ihr Herz schlägt für Kinofilme wie „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ oder „Der Prinz und ich“. Zusammen mit Lisa hat sie sich eine eigene Handlung überlegt, Storyboards gezeichnet und Dialoge geschrieben. „Die letzten Drehtage sind fast ein Jahr her“, berichtet Lisa, „heute sprechen wir gar nicht mehr so und sehen ganz anders aus, besonders bei den Jungs merkt man, dass ihre Stimmen durch den Stimmbruch inzwischen viel tiefer sind.“ Für ihr Drehbuch wurden die jungen Filmschaffenden mit dem Literaturpreis des Gleimhauses in Halberstadt ausgezeichnet. Viel Arbeit haben Paula und Lisa investiert. Ein ganzes Jahr hat es gedauert, den Film zu produzieren. Unterbrechungen gab es immer wieder, weil die Darsteller aus ihrem Freundeskreis oder sie selbst für Klausuren lernen mussten: „Echte Film-Teams haben ja keine Schule“, lachen sie. Den Schnitt hat Paula dann allein mit ihrem Notebook gestemmt: „Ich habe mir Tutorials im Internet angeschaut, kostenlose Software für Videoschnitt und lizenzfreie Musik runtergeladen“, beschreibt die Autodidaktin. Selbst beigebracht hat sich auch Alexander Meinke seine Rolle. Regelmäßig streift er sein grellgeblümtes Hemd über, setzt die Hornbrille auf und reißt als Paul Panzer Witze. Die besten Gags aus dem Programm des Comedians schaffen es auch in Alexanders Bühnenshow. Über den ordentlichen Applaus an diesem Abend und Paula. „Die Beiträge, kamen bis jetzt immer gut an. Allerdings wäre es schön, wenn noch mehr Leute kommen oder auftreten würden und sich unsere ‚Spotlight Night’ noch weiter herumspricht“, wünscht sich Anja Grasmeier. Alexander hält der Spotlight Night schon länger die Treue, er hatte in den letzten drei Jahren insgesamt drei Auftritte und kümmert sich auch darum, dass die Tontechnik funktioniert. Der 19-Jährige aus Wernigerode hat gerade sein Fach-Abitur in der Tasche und will an der Hochschule Harz Medienwissenschaften studieren. Das hat mit Slapstick vor Publikum eigentlich nicht viel zu tun: „Das Schöne für mich ist“, sagt Alexander, „auf der Bühne kann ich mich ausleben, ich muss nicht ich selbst sein.“ Mandy Ebers