Alles ist erlaubt

„Literarischen Nachtcafés“ in Quedlinburg. Für 2015 sucht Gerlinde Schöpf Autoren und lesebegeisterte Mitstreiter.

Literatur macht glücklich. Oder kann – im besten Falle – glücklich machen. So zumindest sieht das die Organisatorin des „Literarischen Nachtcafés“ in Quedlinburg.

Gerlinde Schöpp, die Geschäftsführerin der Kreisvolkshochschule Harz, steckt trotz der Papierberge auf ihrem Schreibtisch gern Arbeit in die von ihr ins Leben gerufene Veranstaltungsreihe. Für 2015 sucht sie Autoren und lesebegeisterte Mitstreiter.

Bücher haben in Gerlinde Schöpps Leben schon immer eine zentrale Rolle gespielt. Wenn sie als kleines Mädchen ihre Eltern nach irgendetwas fragte, zeigten diese auf die vielen Lexikon-Bände im Regal und sagten: „Schau nach. Da steht alles drin.“ Die Bücherschränke ihrer Eltern reichten bis unter die Decke. Heute ist Gerlinde Schöpp nicht nur zu Hause von unzähligen Büchern umgeben, sondern auch beruflich: Die Quedlinburger Kreisbibliothek wurde zu Jahresbeginn in die Kreisvolkshochschule Harz GmbH integriert, deren Chefin Gerlinde Schöpp ist. Sie sitzt also sozusagen an der Quelle, wenn ihr der Lesestoff ausgeht.

Doch Letzteres ist nicht zu erwarten, denn durch die von ihr im Frühjahr 2014 ins Leben gerufene Veranstaltungsreihe „Literarisches Nachtcafé“ bekommt sie immer wieder neue Lesetipps, lernt Autoren kennen und stößt auf spannende Geschichten jenseits der Bestsellerlisten. „Ich bin viel in Deutschland unterwegs, beruflich wie privat. In den Großstädten gibt es hin und wieder wunderschöne Sachen zu entdecken. Manches lässt sich auch in einer Kleinstadt umsetzen“, erzählt sie von den Anfängen des „Nachtcafés“.

Die Idee ist so simpel wie charmant: Einmal im Monat kommen Schreiberlinge, Literaturbegeisterte, Lesesüchtige oder auch einfach nur neugierige Leute in einem gemütlichen Café zusammen. Man liest einander vor und plaudert anschließend über die vorgestellten Bücher, Geschichten oder Gedichte. Mit dem Quedlinburger „Frida K.“, in dem sich Café, Kunst und Bar verbinden, war nur wenige Meter vom Sitz der Kreisvolkshochschule schnell eine kleine aber feine Location gefunden.

Anstatt professionelle Dozenten zu engagieren oder teure Autoren einzuladen, setzt das „Literarische Nachtcafé“ auf das Engagement und den Mut der Leute hier vor Ort. „Jeder kann und darf. Wer selbst schreibt oder schon immer mal sein Lieblingsbuch vorstellen wollte, der kann das tun.“ Selbst geschriebene Kurzgeschichten sind ebenso gefragt wie Romanauszüge. „Es ist auch nicht wichtig, ob die Texte schon veröffentlicht wurden“, sagt Gerlinde Schöpp.

Im vergangenen Jahr hat eine literaturbegeisterte Fotografin Geschichten von Shakepeare vorgetragen, dann eine Hobby-Autorin eigene Kurzgeschichten präsentiert und später eine Jung-Autorin ihr Erstlingswerk vorgestellt. Auch Heiteres von Ringelnatz, Tucholsky und Co. stand schon auf der kulturellen Speisekarte im „Frida K.“. So verschieden die Gäste sind, die das „Nachtcafé“ als Podium nutzen, so verschieden ist auch der Charakter der Abende. „Es bleibt dadurch spannend“, freut sich Gerlinde Schöpp. In Wernigerode hat die Kreisvolkshochschule zusammen mit dem Wernigeröder Kunst- und Kulturverein e. V. eine ähnliche Reihe ins Leben gerufen: das Literaturcafé – wobei hier immer dieselben beiden Dozenten Lesens- und Liebenswertes jenseits der Bestsellerlisten präsentiert haben. Für die Veranstaltungsreihe in Wernigerode wird derzeit eine neue Location gesucht, für Quedlinburg sind Hobbyautoren oder Literaturfans gefragt, die sich im „Frida K.“ aufs Podium trauen. „Ich selbst bin ja eine Märchentante ohne Ende. Wenn alle Stricke reißen, trage ich mich selbst als Gast in die Liste ein“, überlegt Gerlinde Schöpp. Warum es gerade die Märchen ihr so angetan haben? „Vielleicht, weil die meisten gut ausgehen.“ Dana Toschner