„Mit extra viel Liebe“

Die Klamroths aus Westerhausen sind leidenschaftliche Landwirte. „Mit vielen glücklichen Kühen“, wie Tochter Sophie Emmi lächelnd versichert. Die 31-Jährige verarbeitet deren Milch zu Trinkmilch, Käse, Quark und Joghurt. Vor zweieinhalb Jahren hat sie ihren Hofladen eröffnet – ein Tipp für all jene, die frische Produkte aus der Region schätzen.

Von DANA TOSCHNER
Wer an der Fleischtheke drei Buletten verlangt, der wird im Westerhausener Hofladen sofort zurecht gewiesen. „Das sind doch keine Buletten“, sagt die Verkäuferin mit gespielter Empörung. „Das sind unsere Hofladen-Klopse, mit extra viel Liebe gemacht.“ Die Kundin grinst und beißt hinein. „Stimmt, genauso schmecken sie auch.“ Sophie Emmi Klamroth, die Inhaberin des Hofladens, beobachtet die Szene und lächelt zufrieden. „Ja, mit meinem Fleischer habe ich wirklich einen Glücksgriff gemacht“, sagt die Chefin. An der Fleischtheke gibt es Wurst und Fleisch von Rind und Schwein aus eigener Schlachtung. „Das Rindfleisch stammt von unseren Tieren, die Schweine kaufen wir von einem Bauern in Derenburg, der viel Wert auf eine gute Haltung legt.“ Davon hat sich Sophie Emmi Klamroth vor Ort überzeugt. „Ich war bei allen unseren Zulieferern und habe mir die Betriebe vorher angeschaut.“

Sie legt Wert auf Transparenz. Damit der Kunde weiß, woher die Produkte kommen, hat sie überall im Laden Fotos aufgehängt, auf denen die Erzeuger in die Kamera lächeln. So gibt es in Westerhausen Eier aus Altenweddingen, Kartoffeln aus Wulferstedt, Äpfel aus Aspenstedt und Mehl aus einer Thalenser Mühle. Außerdem Honig, Säfte, Nudeln, Zwiebeln, Gewürze, Tee – und zurzeit natürlich auch Spargel. „Das einzige, was nicht aus der Region stammt, sind die Weine aus der Pfalz. Um das Regal kümmert sich ein Weinhändler aus Blankenburg“, sagt Sophie Emmi Klamroth.

Sie selbst schwärmt eher von der Milch als vom Wein: „Ich bin stolz auf die Qualität unserer Milch und ich freue mich, wenn die Kunden auch weitere Wege auf sich nehmen, um sie bei uns zu kaufen.“ Zusammen mit ihrem Bruder Christoph, der im Familienbetrieb für die Milchviehhaltung verantwortlich ist, achtet sie darauf, dass sie immer genauso schmeckt, wie sie schmecken muss. „Die Milchkühe haben bei uns perfekte Bedingungen, sie werden auf Stroh gehalten, es ist ein Wohlfühl-Stall.“ Das Futter für die Tiere stammt von den eigenen Äckern und Wiesen. „Gentechnisch verändertes Futter lehnen wir ab.“

Damit die Kunden jeden Tag frische Milch, Joghurt und Quark bekommen, steht Sophie Emmi Klamroth morgens zwischen 3 und 4 Uhr auf. „Wenn die Vögel zu zwitschern anfangen, gehe ich raus. Es ist dann total idyllisch hier, ganz friedlich. Ich genieße die Ruhe.“ Um zu lernen, wie sie die Milch weiterverarbeiten kann, hat sie auf der Schwäbischen Alb das traditionelle Handwerk der Käseherstellung gelernt.

Wenn die 31-Jährige, die in Halle Agrarwissenschaften studiert hat, von ihrem Hofladen und den fünf Angestellten spricht, leuchten ihre Augen. Die Liebe zur Landwirtschaft kann man ihr förmlich ansehen. Dass der Hofladen schon so viele Fans gefunden hat, macht sie glücklich. „Ich musste einen Kredit aufnehmen und tausende Genehmigungen einholen, bevor wir eröffnen durften. Und natürlich wusste auch ich nicht, ob die Idee funktionieren würde. Aber es läuft wunderbar“, sagt Sophie Emmi Klamroth erleichtert. „Die Leute finden es toll, zu wissen, woher die Produkte stammen, die auf ihrem Teller landen.“