Da rockt der Bergmann

Foto: Benjamin Klingebiel

Die vier Macher des „Miner’s Rock“ haben es geschafft, innerhalb von nur zwei Jahren das ehemalige Erzbergwerk Rammelsberg in Goslar, UNESCO-Weltkulturerbe, zu einer anerkannten Location für gute Musik zu machen. Die musikalischen „Schichten“ werden an zwei Wochenenden im Jahr gefahren. Im Sommer steht nun erstmals ein Open Air an. Sören Behme, Christian Burgart, Giovanni Graziano und Arkadiusz Szczesniak berichten von ihrem Herzensprojekt.

Von MIRIAM FUCHS
Kennengelernt haben sich die vier bereits vor rund zehn Jahren. Gemeinsam engagierten sie sich im Verein Goslarer Musik Szene und waren verantwortlich für das Line-up und die Organisation der „Jungen Bühne“ auf dem Goslarer Altstadtfest. Doch die Möglichkeiten, dieses Event auszubauen, waren begrenzt. „Wir wollten einfach für unsere Stadt noch mehr passieren lassen“, sagte Giovanni Graziano. Das „Miner’s Rock“ wurde geboren.

Die verrückte Idee, das ehrwürdige Welterbe besonders in Szene zu setzen, kommt gut an. Bereits nach nur zwei Jahren gibt es Fans, die sich frühzeitig für jede Schicht die Tickets reservieren, ganz gleich, welcher Künstler kommt. „Das spricht einfach für das Erlebnis, das wir so nur am Rammelsberg bieten können“, betont Sören Behme. Dankbar zeigt sich das Organisationsteam, dass sich der Vertrauensvorschuss von Gerhard Lenz, dem Direktor der Stiftung Welterbe im Harz, und vielen anderen Partnern ausgezahlt hat. Das musikbegeisterte Quartett gründete eine Firma, um die Konzertreihe in die Tat umzusetzen. „Die Stärken eines jeden Einzelnen machen uns aus“, sagt Arkadiusz Szczesniak. „Bei uns werden die Entscheidungen einstimmig getroffen.“ Für Christian Burgart macht den eingeschworenen Freundeskreises aus, dass es 0 Prozent Hierarchien gibt, jedoch 100 Prozent Loyalität. Und so können sie einiges bewegen.

Auftakt in der Schicht I am Rammelsberg machte „Radio Doria“: Jan Josef Liefers kam als Sänger zurück an den Drehort, wo er für „Das Wunder von Lengede“ vor der Kamera stand – und war begeistert. Die Idee, „Radio Doria“ zu engagieren, kam von einem Bekannten und entpuppte sich als medienwirksamer Start für „Miner’s Rock“. Mittlerweile wurden acht Schichten gefahren. Stars wie Laith Al-Deen, Johannes Oerding oder Max Giesinger setzten die ehemalige Schlosserei musikalisch in Szene. Die Auswahl der Künstler bestimmt dabei nicht der Musikgeschmack des Veranstalter-Quartetts, sondern das Publikum. So waren „VNV Nation“ und „Stoppok“ unerwartete Highlights. Und Axel Prahl fragte sogar von sich aus an, am Rammelsberg auftreten zu können. „Generell richten wir uns nach den Wünschen unseres Publikums“, so Christian Burgart. „Andrea Berg wird es auf dem Rammelsberg allerdings nicht zu hören geben.“ Die Location stellt besondere Herausforderungen an Bühnentechnik, Künstler und Organisatoren. Bei maximal 700 Besuchern sind die Musiker hier besonders nah an ihrem Publikum.

Im Sommer wird Anna Loos mit „Silly" den Berg rocken. Am 22. Juli startet das erste Welterbe-Open-Air. Mit dabei sind neben „Silly“ auch „Texas Lightning“, „Jupiter Jones“, „Die Schröders“ und „Ich kann fliegen“. Das Außengelände des ehemaligen Bergwerks wird zur Konzertbühne. Zwischen den historischen Gebäuden der Erz­aufbereitungsanlage, dem Magazin und der Kaue werden sich viele Musikfreunde tummeln. Die Harzer Berge bilden die eindrucksvolle Kulisse und machen opulente Bühnenshows fast zur Nebensache. Ungewohnte Einblicke versprechen die Organisatoren von Beginn an, denn der Weg zum Konzertgelände führt über unbekannte Pfade. Vom Shuttle-Halt an der Bruchchaussee gelangen die Besucher nach einem kurzen Fußweg vorbei an der Jugendherberge von hinten auf das Gelände. Das gigantische ehemalige Bergwerk liegt ihnen zu Füßen. Ein außergewöhnlicher Start in einen vergnüglichen Konzertabend mit Festival-Charakter. Organisatorisch ist das Open Air eine neue Herausforderung. Die Durchführung der Schichten in der Schmiede läuft mittlerweile strukturiert und lässt Zeit für frische Ideen. Ein Konzert in größeren Dimensionen unter freiem Himmel an einem denkmalgeschützten Ort stellt jedoch andere logistische Anforderungen. Doch mit ihrer Begeisterung konnten Behme, Burgart, Graziano und Szczesniak die Vertreter von den Behörden anstecken. Gemeinsam wurden Lösungen gefunden, um dieses Konzertereignis zu ermöglichen. Der vierte Samstag im Juli wird der feste jährliche Termin für das Open-Air-Festival am Rammelsberg. Bereits jetzt, vor der Premiere, werden schon Verhandlungen für 2018 geführt.

Das einzigartige „Miner’s Rock“-Konzept geht auf, die Reihe hat Fans in ganz Deutschland. Viele Sponsoren unterstützen die Macher langfristig und ermöglichen ihnen so die frühzeitige Verpflichtung namhafter Künstler. Und wer wäre nun der Favorit des Quartetts? „Die ,Scorpions’ akustisch wären mal cool, dort haben wir allerdings noch nicht angefragt“, verrät Christian Burgart. Einstimmig versprechen alle vier: „Wir machen weiter, so lange es uns Spaß macht.“