Im Herzen ein Häuptling

Im Indianermuseum von Thomas Merbt in Derenburg wurden vor wenigen Tagen neue Szenen für „Alles Klara“ abgedreht. Die Folge soll im nächsten Jahr ausgestrahlt werden. Als Kulissen wurden dafür auch verschiedene neue Exponate, für die Merbt teils jahrzehntelang und weltweit auf der Suche war, in Szene gesetzt. Ein Blockhaus beispielsweise und auch der Cowboy-Verpflegungswagen, auf den Merbt besonders stolz ist.

Von FRANK DRECHSLER
Ein kleines Foto hängt an der Wand. Ganz hinten im Museum. Genau dort, wo Besucher seit kurzem die neuen Ausstellungsstücke sehen können. Das Foto zeigt einen amerikanischen Verpflegungswagen, der Cowboys mit Essen und Getränken versorgt. Diese alte Abbildung diente als Vorlage für den Nachbau eines eben solchen Wagens, wie er nun im Indianermuseum gleich vor dem Bild steht.

„In Amerika waren diese Wagen in der Zeit von 1865 bis 1900 im Einsatz“, erzählt Thomas Merbt. 25 Jahre hat er danach gesucht. Die täuschend echte Nachbildung des Versorgungswagens ist somit eine echte Rarität. Übrigens wie alle anderen kleinen Dinge im Indianermuseum auch, die Merbt in seinem Leben zusammengetragen hat. Auch ein Blockhaus, wo man das häusliche Leben eines Trappers und seiner Frau nachempfinden kann, ist nun im Indianermuseum zu bestaunen. Das Blockhaus stammt aus dem Jahr 1860, hat aber nie die amerikanische Sonne aufgehen sehen. „Ich habe das Haus über Ebay ersteigert. Es stand ursprünglich in Süddeutschland, ist aber von denen in Amerika, die baugleich sind, nicht zu unterscheiden. Ein Originales war einfach nicht zu bekommen. Und ein so altes Haus auch nicht.“

Thomas Merbt brennt für seine Leidenschaft. Der gelernte Chemiehandelskaufmann hat in seinem Leben einiges ausprobiert, sogar als Rettungstaucher hat er viele Jahre lang gearbeitet. Er kam dabei immer wieder mit Artefakten, Fundstücken und natürlich auch Waffen und Munition in Berührung. Altes Kriegskram meistens, das er und seine Kollegen aus Seen ans Tageslicht holten. Das sei ziemlich abenteuerlich gewesen, sagt er. Das Abenteuer Indianer begann für den gebürtigen Leipziger viel, viel früher. Schon kurz nachdem er in einem Kinderwagen mit seiner Familie 1949 in Ellrich bei Zorge die damalige Sowjetische Besatzungszone in Richtung Westen verlassen hatte.

Das Leben und die Abenteuer der Indianer, die Karl-May in seinen Büchern darstellte, faszinierten ihn seit der Jugend. Eine Liebe, die bis heute anhält. Diese Leidenschaft wurde nach einem Besuch in der Villa Bärenfett auf dem Gelände des Karl-May-Museums in Radebeul weiter entfacht. Dort traf der junge Thomas Merbt keinen geringeren als den legendären Patty Frank, den einstigen Mitbegründer, Verwalter und langjährigen Bewohner des Museums. Und dann war da noch jene Reise in die USA, zu der er 1963 allein und mit einem unbefristeten Schülervisum aufbrach. Seitdem sammelt er alles rund um das Thema Indianer und amerikanische Geschichte. Da ist so einiges zusammen gekommen. In den vergangenen 50 Jahren hat er unzählige Male Indianer besucht, ist sogar Ehrenmitglied der Creek in Florida geworden. Turned Apple nennt man ihn dort seit 1998. Was so viel bedeutet wie umgekehrter Apfel.

Für die Ausstellung in Derenburg hatte Merbt seine langjährige Präsentation in Bretten in der Nähe Stuttgarts aufgelöst und ist mit allem in den Harz gezogen. Ein Arzt, der die Schwester seiner Frau geheiratet hatte, machte Merbt auf die Immobilie an der Bleichstraße in Derenburg aufmerksam. Das passt, dachte sich der mittlerweile 68-Jährige. Nachdem der hier ansässige Supermarkt seine Zelte abgebrochen hatte, schlug Merbt seine Tipis auf. Allerdings erst, nachdem das Gebäude sechs Jahre lang leer gestanden hatte.

Von seinen 4000 Exponaten sind zurzeit 2500 zu sehen. Ein Langhaus der Irokesen beispielsweise oder Krieger der Crow hoch zu Pferde. Aber auch unzählige historische Kleidungsstücke. Sogar eine echte Gürtelschließe, die mit Sicherheit ein Soldat der 7th Calvary von General Custer am Gürtel getragen haben muss, fehlt nicht. Echte Büffelkacke, die die Indianer als Heizmaterial nahmen, auch nicht. Und es gibt begehbare Nachbauten von indianischen Gebäuden und täuschend echt aussehenden Puppen, die ihren indianischen Vorbildern in Nord-, Mittel- und Südamerika nachempfunden wurden. Die meisten Puppen hat Merbt selbst hergestellt.

Komplettiert wird die Sammlung mit Accessoires von Cowboys, Trappern und Fallenstellern und anderen Charakteren der Geschichte. Das Thema Sklaverei und Goldgräber und wie die Indianer in der US-Armee wegen ihrer Sprache in der Datenübermittlung eine wichtige Rolle spielten, bildet Merbt unter anderem mit knapp 60 lebensgroßen Figuren in mehreren Dioramen ab. Mit der Ansiedelung des Museums in Derenburg sieht Merbt den Harz schon als wichtiges Zentrum für indianische Kultur und Geschichte an. Hier gebe es wechselnde Sonderausstellungen und regelmäßig Besuche von waschechten Indianern aus Amerika. Sie brächten immer auch ein Stück ihrer Kultur mit in den Harz, erklärt der Member Nummer Roll 104-H of the Creek Federation Florida. Nächstes Jahr, wenn er das 25-jährige Jubiläum seines Indianermuseums feiert, seien fünf solcher Veranstaltungen fest eingeplant. Eine Zeitreise in die Geschichte der Indianer, die sich für die ganze Familie lohnt.