Zwischen Wiese und Pfanne

Ute Lange erfüllte sich vor 15 Jahren einen Traum. Eigentlich wollte sie 2001 nur „Süppchen mit Drumherum“ verkaufen. Ihr „Altes Forsthaus Todtenrode“ ist unterdessen eine angesagte Gaststätte mit bodenständiger Kost, in der sich auch Hochzeitsgesellschaften wohlfühlen..

Von UWE KRAUS
In Todtenrode dämmerte ein Haus vor sich hin, nach der Wende ohne Zweck und Sinn“, dichtete der Blankenburger Axel Paersch zur Jahrtausendwende. Den über zehnjährigen Dämmerzustand des ehemaligen Ferienlagers und der Gaststätte beendete 2001 Ute Lange. „Das Grün wuchs bis ins Haus“, erinnert sie sich und zeigt alte Fotos. Ihr Traum: „Ich wollte so etwas aufbauen, wie ich es aus den alten Köhlerhütten kannte, die hier mal standen. Eine kleine Suppe und ein bisschen was drumherum. Schließlich steht unsere Fleischerei in Blankenburg. Die Arbeit sollte für mich allein zu schaffen sein.“

Unterdessen wird das „Alte Forsthaus Todtenrode“ sogar in Hochglanz-Reiseführern erwähnt. Alles entwickelte sich Schritt für Schritt, quasi einen Raum nach dem anderen. Riesige Holzschnitzereien litauischer Handwerker prägen das Bild des Gastraums und des großzügigen Biergartens, in dem selbst im Herbst noch Gäs­te Platz nehmen. Fast täglich rollen Busse vor. Auch wenn das Forsthaus etwas abseits großer Straßen liegt, kreuzen sich in Todtenrode beliebte Wanderwege, gibt es eine Stempelstelle der Harzer Wandernadel und gelangt der Harzfreund von hier in die drei bekanntesten Ostharzer Täler: Bode-, Selke- und Ilsetal. Für ihre geschichtsinteressierten Besucher hat die Inhaberin die Historie von Todtenrode aufgeschrieben. Doveroth, Dovenrode, Toten-, Toden- und Todtenrode, die Äbtissin Hedwig und Markgraf Eckhard, das Jagdhaus, das im Volksmund zum Schlösschen wurde. Selbst der Harzreisende Theodor Fontane setzte in seinem Roman „Cecile“ dem Forsthaus ein literarisches Denkmal. Anfang des 20. Jahrhunderts entstand im Forsthaus eine Gaststätte. „Alkoholfreie Erfrischungsstation“ steht auf dem alten Schild, denn damals schenkte die Familie Barthels nur Milch und Limonade aus. In den 1960er Jahren sorgte Schwamm für den Abriss des Jagdschlosses. Damals begann die Nutzung als Betriebskinderferienlager und Tagungsstätte, wie Ute Lange aus dem seit 1967 geführten Gästebuch weiß. Erst kürzlich ließ sie am Forsthaus einen Wanderrundweg anlegen. „Einmal rund um unsere Wiese, das sind so anderthalb Kilometer. Das passt prima zum guten Essen.“ Hochzeitsgesellschaften und Familien schließen das schmucke Haus im Wald nicht nur wegen der guten bodenständigen Gastronomie ins Herz, sondern weil es sieben Zimmer und eine Wohnung zum Übernachten bietet. Die eigene Fleischerei garantiert, dass hier die Frische der Produkte ganz obenan steht. „Wir liegen im Wald, da kommt natürlich viel Wild in die Pfanne und auf den Teller. Wir haben einen Vertrag mit dem Landesforstbetrieb, die Wildkammer befindet sich gleich nebenan. Das stärkt das Vertrauen unserer Kunden.“ Ein Lieblingsgericht? Die 60-jährige Chefin des Hauses schüttelt den Kopf. „Da entscheidet sich fast jeder anders. Einige lieben die Schweinebäckchen, andere die Wildsülze. Haxen und Eisbeine gehen auch immer gut.“ Einige Kunden kommen sogar extra, um die gute Wildwurst und -sülze frisch an der Theke der Gaststätte zu kaufen. Natürlich habe das „Alten Forsthaus Todtenrode“ Stammgäste, die immer mal wieder vorbeischauen oder -wandern. „Was unsere Kunden hier sehen und schmecken, das erzählen sie weiter. Das war sozusagen mein Baby hier, das wächst. Für mich war es kürzlich ein großes Lob, als ein Wanderer meinte, dass wir richtig viel einnehmen, das aber auch gleich wieder hier investieren. Es tut sich was für unser Geld.“ Dafür ist Ute Lange auch sieben Tage die Woche im Einsatz. Immerhin trägt sie Verantwortung für sieben Mitarbeiterinnen. „Denen vermittele ich auch meine Maxime. Wenn Arbeit Spaß macht, ist es eigentlich keine. Die Arbeit mit Herz machen, das sollen Koch wie Kellner. Ich glaube, das spüren unsere Hausgäste. Und anständig bezahlt werden meine Leute.“ Ute Lange schaut vom hölzernen Balkon der Pension und scheint das Ambiente mitten in der Natur zu genießen. „Mein Kind meint immer, wir leben hier total einsam, doch ich empfinde das Wohnen als sehr ruhig.“ Die Ausgestaltung der Gaststätte zeugt davon, wie artenreich Wald und Wiese am Forsthaus sind. „Manche Tiere landen auch bei uns in der Pfanne“, weiß sie und erinnert sich an die Hirsche, die in diesem Jahr wohl „besonders laut brüllten“.