„Theater ist mein Ding“

Vereinschefin Annika Kärsten im Fundus von „Szene 38“.

Der Blankenburger Theaterverein „Szene 38“ will das kulturelle Angebot in der Blütenstadt erweitern und tritt mit dem Bürgermeister gleich in die große Weltgeschichte ein.

Von UWE KRAUS
Rotkäppchen einmal anders“ und „Frau Olle“? Was da nach Grimms Märchen klingt, sind Bearbeitungen für den Blankenburger Theaterverein „Szene 38“, geschrieben von Annika Kärsten, der Vereinsvorsitzenden. „Auch, um Kosten für Aufführungsrechte zu sparen“, gesteht die 31-Jährige, die selbst früher als 13. Fee bei „Dornröschen“ und böse Gröhl in „Wicki“, aber auch als Königin bei „König Drosselbart“ auf der Bühne des Bergtheaters stand.

„Theater ist mein Ding“, fügt sie an. Obwohl sich „Szene 38“ erst 2015 zusammenfand, haben die Amateurschauspieler schon ein kleines Repertoire auf dem Spielplan. Im Kurhotel „Fürstenhof“ gab es im Vorjahr ein Casting, der Verein entstand und die rund 20 Akteure traten auf die Bühnenbretter. Das Rätsel um die „38“ im Vereinsnamen ist schnell gelüftet. „Die Drei und die Acht sind die ersten beiden Ziffern in der Postleitzahl von Blankenburg.

Damit drücke ich meine Verbundenheit zu dieser Stadt aus. Sie liegt mir so am Herzen, dass ich mir nicht vorstellen könnte, hier wegzuziehen“, sagt Kärsten. „Lebenstraum – Elsbeths letzte Reise“ und das Kindermusical „Die Regenbogenfee“ las man als Uraufführungen auf dem Spielplan. In die Geschichte von „Elsbeth“ flossen die eigenen Erfahrungen von Annika Kärsten ein, die als gelernte Krankenschwester im Pflegeheim tätig war. „Erst haben wir überlegt, ob das ernste Thema Tod das Publikum nicht überfordert.

Die Resonanz gab uns recht. Die Menschen wollen nachdenken. Wenn wir etwas kurzweilig darbieten, hat das durchaus einen ernsten Hintergrund.“ Die bunte Darstellertruppe, die für Proben und Aufführungen aus der Region zwischen Schwanebeck und Wernigerode in das Alte E-Werk von Blankenburg anreist, ist in kurzer Zeit eine kleine Familie geworden. „Ein tolles Team, bei dem auf alle Verlass ist“, schätzt die Allrounderin Kärsten ein. Familie gibt ihr das Stichwort. Das aktuelle Stück „Wende ´89 – Familie Koslowski und der Mauerfall“ dreht sich um eine typische „Ossi-Familie“, die in einer Plattenbauwohnung lebt.

Zur Premiere des Stücks glaubten einige Zuschauer ihren Augen nicht zu trauen: Steht doch Blankenburgs Bürgermeister Heiko Breithaupt auf der Bühne. Nicht nur sein CDU-Parteibuch verschaffte ihm die Rolle seines Parteifreunds Helmut Kohl. In der 2017er Neuproduktion „Die Irrenanstalt – Wo ist Walter“ steht er ebenfalls schon auf der Besetzungsliste. Der Premierentermin steht bereits fest: 17.7.17. „Die Regenbogenfee“ dagegen, die am 4. Dezember in der Stammspielstätte zu bestaunen ist, wurde zu einer echten Gemeinschaftsproduktion. Die angehende Erzieherin Annika Kärsten studierte das Stück, dessen Text von Hartmut Berge stammt, mit der Theater-Arbeitsgemeinschaft des Martin-Luther-Hortes ein.

Dort wurde geprobt, im E-Werk für Kindertagesstätten und Schulen gespielt. „Unser erstes und bisher einziges Auswärtsgastspiel hatten wir übrigens in Weddersleben“, berichtet die Vereinschefin und Mitspielerin. „Mit dem Saal im E-Werk sind wir ganz zufrieden. Da passen zwar nur 100 Leute rein, aber dadurch sind die Zuschauer immer ganz hautnah an der Handlung. Und wir können sagen, unsere Premieren sind immer ausverkauft.“

Das Haus, an dem fast jeder vorbei muss, der durch Blankenburg fährt, gibt auch anderen Vereinen eine Heimstatt. „Wichtig ist für uns, dass unsere Spielstätte barrierefrei ist und wir für Künstlergarderobe sowie unsere Requisiten Platz haben“, finden Kärstens Mitstreiter und zeigen Perücken, Handtaschen, Stöcke und ein altes FDJ-Hemd. Bei ihnen muss jeder mit ran, ob es an der Kleiderstange mit den Kostümen ist oder beim Bau der Requisiten. Die Ehrenämtler würden sich freuen, wenn ihnen manchmal eine starke Hand beim Bühnenaufbau oder ein versierter Techniker zur Seite stehen würde. „Wir investieren zunehmend in Technik. Naja, wenn man das ehrenamtlich betreibt, bleibt von den Eintrittsgeldern nicht viel übrig.“

Das Ensemble bietet einen Querschnitt durch die Bevölkerung. Der älteste Mitspieler ist 68 Jahre alt, ein 72-Jähriger will zum nächsten Cas­ting kommen. Die Besetzungsliste enthält übrigens den Namen Kärsten gleich doppelt. Juane, die Tochter der Chefin, gehört mit ihren zehn Jahren bereits zu den engagierten Mitspielern. „Sie war seit ihrem sechsten Lebensjahr bei Inszenierungen in Thale dabei“, erinnert sich ihre Mutter. „So verbringen wir viel Freizeit gemeinsam.“ Annika Kärsten selbst sieht das Theaterspielen als einen Ausbruch aus dem Alltag. „Da fällt der ganze Stress von mir ab. Das tut so gut.“