Der Holunder vom Baum

Daniela Bestehorn hat sich einen Traum erfüllt. Im Burggrund von Ersmleben hat sie vor fünf Jahren ihre Café- und Teestube „Holunderbaum“ eröffnet. Hier zaubert sie kulinarische Spezialitäten aus der unscheinbaren kleinen braunen Beere.

Der Tee, der Saft, der Sekt, die Torten: In der Tee & Caféstube im Burggrund von Ermsleben dreht sich alles um den Holunder. Die Chefin im Haus ist Daniela Bestehorn. „Holunder wächst ja eher an Busch und Strauch, aber ich habe ein Buch gelesen, in dem es um den Holunderbaum ging. So kamen wir zum Namen.“ Seit jeher ist der Holunder Beschützer von Haus und Hof und versorgt die Menschen mit seinen Heilkräften. Unterdessen gibt es das Café seit fünf Jahren. In einer schnelllebigen Zeit sei es den Menschen wichtig, einen Ruheplatz zu finden. „Diesen Platz wollen wir mit unserem Holunderbaum schaffe“, betont Daniela Bestehorn.

Dabei war der Start nicht besonders gut. Der damalige Landkreis Aschersleben rollte der Familie Steine in den Weg. Die Lage ihres Hauses hielt man planungstechnisch für ein Cafè nicht geeignet. Als Ermsleben dann dem Harzkreis zugeschlagen wurde, ebneten sich die Wege und ihr Vorhaben wurde mit Leben erfüllt. Das Haus der Oma ihres Mannes wurde neu umbaut, nichts abgerissen und es fügte sich zu einem schnuckligen Café zusammen. Die Lage ist ideal, hier kommen Touristen vorbei, die die Konradsburg besuchen, die Radfahrer vom R1 und viele Pilger. „Es hat sich gut rumgesprochen“, freut sich Daniela Bestehorn, die im ers­ten Leben Diplom-Agraringenieurin war. Dass sie derart gute Torten zaubert, wegen denen Gäste von weither regelmäßig im „Holunderbaum“ vorbeischauen, hätte sie selbst nie für möglich gehalten. An den Wochentagen sind es fünf, am Wochenende acht Kreationen, zwischen denen die Gäste wählen können. Dabei darf ihre Torte aus Holunderblüten ebensowenig fehlen wie die fruchtige mit Holunderbeeren. Den Bestehorns, die gleich neben ihrem Café wohnen, ist es wichtig, für ihre Kreationen nur Zutaten aus der Region zu verwenden. Die Meisdorfer Mühle liefert das Mehl, der Käse für den Radfahrer-Imbiss reift in Westerhausen. Die tollen Teeservices entstanden in der Töpferei „Alte Schmiede“ in Schierke. Daniela Bestehorn weiß, was sie leisten kann. Kleine Familienfeiern richtet sie aus, für die Radler gibt es auch mal was Deftigeres. „Wir sind ein Familienunternehmen, in dem mein Mann nach der Arbeit auch mal an der Spülmaschine des Cafés steht“, erklärt die 41-Jährige. Die Öffnungszeiten lassen Zeit für die Kinder. Teestube steht nicht nur an der Hauswand. Claudia Bestehorn besuchte Teeseminare in Bremen. Der Tee-Aufguss wird zelebriert. Jeder Gast bekommt seine Tee-Uhr auf den Tisch gestellt, denn schließlich hat jede Sorte ihre eigene Ziehzeit. 33 Sorten hat sie im Angebot. Teefreunde aus Sinsleben oder Hettstedt machen sich schon deswegen auf den Weg, um im Burggrund von Ermsleben ihren Tee zu kaufen. An den Wochentagen kann sich Daniela Bestehorn über mangelnden Zuspruch nicht beklagen. „In den ganzen fünf Jahren gab es gerade mal ein oder zwei Tage, an denen kein Gast hier saß“, sagt sie. Als kürzlich ein frisch erschienener Sachsen-Anhalt-Tourismusführer den „Holunderbaum“ als Geheimtipp empfahl, wurde es einige Tage später schon etwas eng. 20 Plätze innen und 26 im Außenbereich, dann stößt man an die Kapazitätsgrenze. Zum Männertag werden noch ein paar Extra­stühle rausgerückt. Doch im „Holunderbaum“ gibt es mehr als Kuchen, Tee und tollen Holundersaft. Einmal im Jahr wird zum Holunderabend mit Drei-Gänge-Menü eingeladen. Dazu kommen Buchlesungen und Extra-Veranstaltungen. Eine von Daniela Bestehorns Angeboten, der Picknickkorbverleih, läuft dagegen noch nicht so, wie sie es sich als Service für Wanderer vorstellt. „Wenn jemand lieber in der Natur speisen möchte, dem füllen wir einen Korb mit leckeren Sachen“, erklärt Claudia Bestehorn. Die Gäste bekommen eine Decke mit und können sich dort niederlassen, wo es ihnen gefällt. Bevor die freundliche Holunderbaum-Inhaberin zum nächsten Tisch gerufen wird, zeigt sie auf zwei besondere Mitarbeiter: ihre Kater. Die sind bei den Gäste so beliebt, dass manche von ihnen sogar Katzen-Leckerli mitbringen.

Uwe Kraus