Frischer Wind in alten Mauern

Der Bahnhof Blankenburg hat einen neuen Besitzer. Die NiBra Immobilien GbR hat das Gebäude samt dazugehörigem Areal erworben. Die GbR, das sind die Blankenburger Stephan Nickell und Dirk Brandenburg. Im positiven Sinne eisenbahnverrückt wollen die beiden wieder dauerhaft geschäftiges Leben in das Gebäude einkehren lassen. Erste Mieter nutzen bereits einige Bereiche des Einzeldenkmals.

Nickell und Brandenburg sind dem Thema Eisenbahn mit Haut und Haar verfallen. Brandenburgs Vater war Eisenbahner und auch er selbst hat „von der Pike auf bei der Bahn gelernt“. Für den bei der Havelländischen Eisenbahn tätigen „Flottenmanager Lokomotiven“ dreht sich wie auch bei Nickell, der als Betriebskoordinator der Rübelandbahn arbeitet, von morgens bis abends alles um das Thema Eisenbahn. Der Kauf des Bahnhofes sei aber trotzdem eine Schnapsidee gewesen. Zunächst jedenfalls, so Brandenburg.

Als es dann doch konkret wurde, hätten beide tief ins Portemonnaie geschaut und dann den Kaufpreis schließlich aus eigener Tasche bezahlt. Damit sei das Gebäude finanziell nicht belastet und somit frei für alle Vorhaben. Für größere Investitionen habe man so bei Banken eine deutlich bessere Position. Eine gute Basis.Das neue Reich Nickells und Brandenburgs erstreckt sich von der alten Wasserstation bis hin zur so genannten Aufsicht 1 des ehemaligen FEW. Samt besagtem Bahnhof. Elf Jahre stand er leer. Er ist zwar eines der markantesten Gebäude der Stadt, fristete aber schon länger ein Nischendasein und avancierte das eine und andere Mal leider auch zum Müll- und Schuttabladeplatz und wurde des Öfteren Ziel von Vandalismus. Eingeworfene Scheiben und Fenster, Sachbeschädigungen und mehr. Ein Problem, mit dem Nickell und Brandenburg auch heute noch zu kämpfen haben. Soll sich das ändern, muss eben wieder mehr Leben in den Bahnhof einziehen. Dafür haben die beiden bereits einiges getan. Mietverträge geschlossen. Ein Taxiunternehmer, ein Büro der Arbeitsförderungsgesellschaft und sogar eine Band, die hier einen Probenraum hat, und andere Nutzer beleben bereits den altehrwürdigen Bahnhof. Eine Wohnung im oberenStockwerk ist nach wie vor bewohnt. Hier wohnt die Frau des letztes Bahnhofvorstehers. Dabei soll es nicht bleiben. Größere Umbauten sind bereits geplant. Für die alten sanitären Anlagen, die sich links vom Bahnhof in einem separatem Haus befinden, soll im Bahnhof selbst Ersatz geschaffen werden. Ebenfalls geplant ist eine gastronomische Einrichtung sowie ein Geschäft, das all jene Dinge anbietet, die Reisende nun mal so brauchen. „Dinge wie Andenken etwa oder Kaffee zum Mitnehmen, Zeitungen und ähnliches“, erklärt Nickell. Blankenburgs Stadtoberhaupt Heiko Breithaupt unterstützt die beiden Bahnhofsbesitzer übrigens nach Kräften. „Ich freue mich über das Durchhaltevermögen von Stephan Nickell und Dirk Brandenburg. Und dass nun in diesem die Stadt prägenden Gebäude wieder geschäftliches Leben einzieht.“

Frank Drechsler