Eiskalte Leidenschaft

Für die „Rote Zora“ oder das „Beschwipste Huhn“ fährt mancher Eisfan quer durch den Landkreis. Die Eisbecher bei „Busches Eis“ in Wernigerode sind begehrt. Denn Familie Busche versteht ihr Handwerk: Seit drei Generationen wird hier Eis hergestellt.

Wenn Lutz Busche morgens um 10 das rote Eisfenster öffnet, hat er schon fünf Stunden Arbeit hinter sich. „Pünktlich um 5 beginne ich mit der Produktion“, sagt er und steigt über eine Außentreppe hinauf in den ersten Stock, um die „heiligen Hallen“ zu zeigen. Tatsächlich ist nur ein winzig kleiner Raum, in dem aus Milch, Sahne, Zucker und all den anderen Zutaten das Eis gerührt wird.

Und zwar nicht nur irgendwelches Eis, denn „Busches“ zieht auch Feinschmecker, die jenseits der Stadtgrenzen Wernigerodes leben, an. „Das wohl beste Eis weit und breit“, „Superlecker, sehr gute Sortenauswahl“ ist im Internet auf den einschlägigen Bewertungsportalen zu lesen. Ein Fan ergänzt: „Nach dem Genuss des Eises kann ich die Schlange vor der Eisdiele nur zu gut verstehen.“ Ein anderer schreibt: „Für dieses Eis lässt man jeden Italiener stehen.“ Auf solche Bewertungen ist Inhaber Lutz Busche natürlich stolz. „Im Sommer 2014 wurden wir sogar mal von MDR Sachsen-Anhalt zu einer der besten Eisdielen des Landes gekürt“, erzählt er und zeigt auf die Urkunde an der Wand.
Seine Eisdiele ist vor wenigen Wochen aus dem Winterschlaf erwacht, denn von Ende Oktober bis Anfang März bleibt das Geschäft geschlossen. Lutz Busche nutzt die Wintermonate, um zu renovieren oder die Gartenstühle, die im Freisitz stehen, neu zu streichen. Jetzt ist er gewappnet für heiße Frühlingstage. „In der Eissaison gibt es keine Freizeit und keinen Sommerurlaub. Wenn ich mal einen Tag frei habe, ist der Bürokram dran.“
16 Sorten hat er Tag für Tag im Angebot, darunter Klassiker wie Vanille und Erdbeer, aber auch ausgefallenere Kreationen wie Rhabarber-Joghurt, Wiener Mandel, Marzipan, Holunderblüte, Lakritze und Sanddorn. „Ich selbst mag Stracciatella am liebsten. Mit schön großen Schokostücken, das ist meine Welt“, schwärmt Lutz Busche. Neben dem Kugeleis gibt es bei ihm auch Softeis, ganz wie früher. „Das schmeckt noch wie zu DDR-Zeiten, denn die Firma Komet liefert nach wie vor die Zutaten“, verrät er.
„Eis mit Tradition“ steht aber nicht nur deshalb auf dem Schild an dem mit Holz verkleideten Häuschen, dass ein bisschen an Bullerbü erinnert, sondern weil „Busches Eis“ in Wernigerode tatsächlich seit mehr als 90 Jahren ein Namen hat. Lutz Busches Großvater Otto hat das Geschäft 1925 gegründet. „In den Anfangsjahren hat er das Eis zu Hause in der Küche hergestellt und war dann mit seinem Eiswagen in der Stadt unterwegs. Damals gab es nur zwei verschiedene Sorten“, erzählt der Enkel. Die Geschäftsidee des Großvaters war erfolgreich und stellte die Weichen für gleich mehrere Generationen. „Von Stund an war Geld im Haus, hat mein Vater immer erzählt, wenn es um die Gründung des Eisgeschäfts ging“, sagt Lutz Busche.
Dass er einmal in die Fußstapfen seines Großvaters und seines Vaters tritt, stand für ihn schon immer fest. „Entweder ein Metallberuf oder Eis“, fasst er die Alternativen zusammen. „Ich bin ja mit der Eistüte im Kinderwagen groß geworden und habe als Jugendlicher in den Ferien die Eisbecher abgewaschen, um Taschengeld zu verdienen.“ Als er den Schulabschluss in der Tasche hatte, hat er eine Ausbildung zum Koch gemacht und – so war es zu DDR-Zeiten üblich – den Eishersteller-Schein.
Im Frühjahr 1990 hat er das Geschäft von seinem Vater übernommen. Lutz Busche hofft, dass das hausgemachte Eis aus Wernigerode nicht nur eine Tradition, sondern auch eine Zukunft hat. „Vielleicht übernimmt mein Sohn ja mal das Geschäft“, sagt er lachend. Der Dreijährige hat immerhin schon klare Vorstellungen davon, wie ein Eis schmecken muss. „Er liebt Softeis und will unbedingt immer ein großes.“ Dana Toschner