Komische Bettlektüre

Die Autorin und Kabarettistin Tatjana Meissner hat ihre über 3000 Facebook-Freunde neugierig über genau das ausgefragt, was eigentlich hinter verschlossenen Schlafzimmertüren passiert. Für ihr neues Buch  „Du willst es doch auch“ hat sie witzige Geschichten über Liebe, Lust und Leidenschaft gesammelt. Mit der Comedy-Lese-Show zu diesem Buch kommt sie am 16. März nach Halberstadt. Im Großen Haus des Theaters wird sie ab 19.30 Uhr mit ihrer „Bettlektüre“ für Lachsalven sorgen. Vielleicht auch mit dieser Geschichte.

Pubertät ist, wenn Eltern schwierig werden Wir wussten, sie kommt auch für uns – die Zeit der Pubertät unserer Kinder. Mit Grauen dachten wir vor allem an deren verhaltenstechnische Veränderungen. Man hörte ja die schrecklichsten Geschichten betroffener Eltern, und wir hofften, dass diese Zeit für uns schnell kommt und auch möglichst ganz schnell wieder geht. Aber es kam alles irgendwie ganz anders.

Es gab zwar ab und an Stimmungsschwankungen, man vergriff sich manchmal im Ton, die Wasserrechnung schnellte wegen Dauerduschens in die Höhe, und das Haus roch täglich nach neuen Deo-Sorten, im Urlaub am FKK-Strand wurden auch die völlig unwichtigen Körperteile schamhaft bedeckt und die ersten Begegnungen mit dem Teufel Alkohol endeten in einem Häufchen Elend vor der Toilettenschüssel – aber all das ließ sich ganz gut mit Humor und etwas Gelassenheit ertragen. Der Kelch der Pubertät schien an uns vorbeizuziehen. Aber dann schüttete er doch noch ein paar Tröpfchen über unserem Ältesten aus. Plötzlich und ohne Vorwarnung litt er unter Gedächtnisausfällen. In seinem Kopf herrschte totales happy Vakuum. Oh Gott, dachten wir, er ist an pubertärer Jugenddemenz erkrankt! Alles, was ihm mühevoll und in vielen kleinen Schritten über die Jahre anerzogen und vorgelebt worden war, war einfach nicht mehr abrufbar. Ich war verzweifelt. Er grüßte die Nachbarn nicht mehr, vergaß alle übernommenen Pflichten, wurde unpünktlich und erschien zum sonntäglichen Frühstück in viel zu großen Boxershorts und mit freiem Oberkörper. Letzteres ärgerte mich besonders. So saß mir Sascha also jedes Wochenende mit pickelübersätem Rücken, Büscheln unter den Armen, aus denen noch weißer Deoschnee herausrieselte, und erstem spärlichen Haarwuchs auf der noch jungen Männerbrust gegenüber. Kein schöner Anblick! Wirklich nicht. Nach mehrmaliger Aufforderung zog er sich dann maulend etwas über. Sonntag für Sonntag das gleiche Dilemma. Unser Sohn hatte sein Gehirn auf Autopilot geschaltet und einen Spamfilter aktiviert. Fast alle Daten der Festplatte schienen gelöscht oder waren in Ordnern abgespeichert, auf die ich keinen Zugriff hatte. Mein pädagogischer Ehrgeiz war entfacht. Ich musste mir was einfallen lassen! Sascha musste neu programmiert werden, so viel stand fest. Wenn Reden und Bitten nichts hilft – Mama kann auch anders! So kam wieder ein Sonntagmorgen. Und wieder setzte sich die noch lange nicht ausgeschlafene, halb nackte Pubertät mit einem gebrummelten „Guten Morgen“ und gesenktem Blick an den Tisch. Endlich waren wir vollzählig und griffen zu den frischen Brötchen. Dann bat ich Sascha um das Glas Honig, das direkt vor ihm stand. Er reichte es mir über den Tisch und sah mich das erste Mal an diesem Morgen richtig an. Niemals werde ich seinen zunächst ungläubigen, dann zutiefst erschrockenen Blick vergessen! Blankes Entsetzen machte sich in seinem Gesicht breit. Ich saß nämlich, genau wie er, mit freiem Oberkörper am Tisch. Sascha lief rot an, sprang auf und flüchtete aus unserer Küche. Dabei blieb er an der Tischdecke hängen, eine Kaffeetasse kippte um, und sein Messer fiel polternd zu Boden. Wortlos rannte er hoch in sein Zimmer und kam nach einer ganzen Weile akkurat gekleidet wieder herunter. Geht doch, dachte ich. Das Buch Tatjana Meissner redet gern über Sex. Ihre Geschichten sind frech, verrucht, voller Humor und treffen direkt ins Schwarze. Ihr Publikum reagiert mit Lachsalven und meint: „Genauso ist es bei uns!“ Die Entertainerin befragte ihre Fangemeinde nach intimen Erfahrungen in ehelichen Schlafzimmern, Lotterbetten und Kornfeldern. Das Buch „Du willst es doch auch“ ist im Eulenspiegel Verlag erschienen. Es kostet 14,99 Euro und ist bestellbar über die ISBN 978-3359024927.