Frischer Wind in alten Mauern

Der Bahnhof Blankenburg hat einen neuen Besitzer. Die NiBra Immobilien GbR hat das Gebäude samt dazugehörigem Areal erworben. Die GbR, das sind die Blankenburger Stephan Nickell und Dirk Brandenburg. Im positiven Sinne eisenbahnverrückt wollen die beiden wieder dauerhaft geschäftiges Leben in das Gebäude einkehren lassen. Erste Mieter nutzen bereits einige Bereiche des Einzeldenkmals.

Nickell und Brandenburg sind dem Thema Eisenbahn mit Haut und Haar verfallen. Brandenburgs Vater war Eisenbahner und auch er selbst hat „von der Pike auf bei der Bahn gelernt“. Für den bei der Havelländischen Eisenbahn tätigen „Flottenmanager Lokomotiven“ dreht sich wie auch bei Nickell, der als Betriebskoordinator der Rübelandbahn arbeitet, von morgens bis abends alles um das Thema Eisenbahn. Der Kauf des Bahnhofes sei aber trotzdem eine Schnapsidee gewesen. Zunächst jedenfalls, so Brandenburg.

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Der Holunder vom Baum

Daniela Bestehorn hat sich einen Traum erfüllt. Im Burggrund von Ersmleben hat sie vor fünf Jahren ihre Café- und Teestube „Holunderbaum“ eröffnet. Hier zaubert sie kulinarische Spezialitäten aus der unscheinbaren kleinen braunen Beere.

Der Tee, der Saft, der Sekt, die Torten: In der Tee & Caféstube im Burggrund von Ermsleben dreht sich alles um den Holunder. Die Chefin im Haus ist Daniela Bestehorn. „Holunder wächst ja eher an Busch und Strauch, aber ich habe ein Buch gelesen, in dem es um den Holunderbaum ging. So kamen wir zum Namen.“ Seit jeher ist der Holunder Beschützer von Haus und Hof und versorgt die Menschen mit seinen Heilkräften. Unterdessen gibt es das Café seit fünf Jahren. In einer schnelllebigen Zeit sei es den Menschen wichtig, einen Ruheplatz zu finden. „Diesen Platz wollen wir mit unserem Holunderbaum schaffe“, betont Daniela Bestehorn.

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Zeitreise mit Frosch

Eigentlich hatte Andrea Gall nie vor, ein Café zu eröffnen. Dann aber hat sie sich in das ehemalige Bürgermeister-Haus in Gernrode verliebt und später die Weichen für die Eröffnung des „Froschkönigs“ gestellt.  Ihr liebevoll eingerichtetes Café wurde vor zwei Jahren vom „Feinschmecker“ zu einem der besten in Deutschland gekürt. Es ist ein echtes Schmuckstück.

Das Café „Froschkönig“ im kleinen Gernrode, direkt gegenüber der Stiftskirche, kann es mit jedem Großstadt-Café dieser Welt aufnehmen. Man wähnt sich in Leipzig, Dresden oder Berlin, so stilvoll eingerichtete Cafés findet man in der hiesigen Gegend jedenfalls selten. Der Charme längst vergangener Zeiten paart sich im „Froschkönig“ mit einem märchenhaften Ambiente. „Die Gäste sollen in Erinnerungen schwelgen, wenn sie die Möbel sehen“, sagt die Inhaberin Andrea Gall. „Manchmal sucht man ja gerade die Gemütlichkeit alter Zeiten.“

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Liebe auf den ersten Blick

Viele Holländer lieben den Harz, aber Marie Mens liebt die Gegend ganz besonders. Sie und ihr Mann Anton haben sich Ende 1990er Jahre in den Bahnhof in Dedeleben verguckt. „Als wir das Gebäude zum ersten Mal sahen, stand unser Entschluss fest: Hier wollen wir wohnen. Es war Liebe auf den ersten Blick“, erinnert sich Marie Mens.

Die Holländer sind ein reiselustiges Völkchen. Viele sind angetan von der Harzer Landschaft, den Menschen und nicht zuletzt den alten Gebäuden. Marie und Anton Mens bilden da keine Ausnahme. Die Büroangestellte und der Lokführer sind seit Jahrzehnten Fans alter Eisenbahnen. Sie und ihre beiden Töchter lieben alles, was damit zu tun hat. So führten ihre Reisen immer wieder auch an verschiedene Orte Europas. Dorthin, wo die Region immer auch noch ein bisschen his­torische Eisenbahngeschichte atmet. So, wie an vielen Stellen in Deutschland eben. Einmal Eisenbahner, immer Eisenbahner.

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Das Kräuterweib

Simone Schalk zählt zu den bekanntesten Kräuterfrauen im Harz und lädt von März bis Oktober jedes Wochenende zu Kursen nach Molmerswende ein.

Ich bin zu meinen Wurzeln zurückgekehrt“, sagt Simone Schalk und meint damit nicht ihren Umzug aus dem Einfamilienhaus in Hettstedt in ein ausgebautes Bauernhaus in Molmerswende vor zehn Jahren. Sie denkt eher an den Bauernhof der Großeltern und das, was ihr Vater ihr erzählt hat. „Er hat mir Bäume, Pilze und Pflanzen gezeigt, also den Grundstein für das gelegt, was ich heute liebe.“ Er verstarb recht früh, vieles von dem, was er Tochter Simone beigebracht hat, ging verschütt. „Ich konnte ja später kaum den Löwenzahn von der Brennnessel unterscheiden“, erinnert sie sich lachend.

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Die Schwalbes aus der Höhle

Das kleine Langenstein bekommt oft neugierigen Besuch: Die Wohnhöhlen, die 1855 bis 1858 Landarbeiterfamilien mit Hammer und Meißel in Stein gehauen hatten, ziehen jedes Jahr Tausende Besucher an. Das Ehepaar Schwalbe kümmert sich gemeinsam mit einigen Mitstreitern um den Erhalt der skurrilen Behausungen.

Ein kleines Fachwerkhäuschen in ländlicher Idylle. Im Gartenteich drehen die Fische gemächlich ihre Runden. So viel Ruhe wie die Fische haben die Schwalbes nicht. Das Langensteiner Lehrerehepaar genießt seit gut 16 Jahren eine Art Unruhezustand. Den aber mit Begeisterung.

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In einer anderen Welt

„Ich versuche, in ihren Schuhen zu gehen, mit ihren Augen zu sehen“, sagt Anja Kozourek. Sie arbeitet mit verwirrten alten Menschen, versucht sie zu verstehen und ihre Signale zu deuten. Ihr Tun kann nicht nur den Demenzkranken selbst helfen, sondern eröffnet auch ihren Angehörigen neue Sichtweisen.

Manchmal schreit Elisabeth Heinemann laut auf. Es klingt, als hätte sie Wut auf irgendetwas. Die alte Dame sitzt mit geschlossenen Augen in ihrem Rollstuhl, hält die Hände ineinander verkrampft und bekommt nicht mehr viel von ihrer Umwelt mit. Zumindest scheint es so, denn wie es in der 82-Jährigen aussieht, was sie fühlt, weiß letztlich nur sie selbst. Schon seit zwei Jahren kann sie nicht mehr sprechen. Elisabeth Heinemann ist dement, in einem fortgeschrittenen Stadium.

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Zerbrechliche Kämpferin

Anja Schröter ist die Kleinste unter den Großen. Die 35-jährige Halberstädterin misst nur 80 Zentimeter. Sie leidet unter einem Gendefekt, der sogenannten Glasknochenkrankheit, und ist stolz darauf, weitgehend selbstständig leben zu können.

Manchmal, wenn Anja Schröter allein mit ihrem E-Rolli in der Stadt unterwegs ist, sprechen sie Omas an und loben ihre Tapferkeit: „Wie alt bist du denn? Du machst das aber schön mit dem Rollstuhl!“ Wenn Anja Schröter ihnen dann antwortet, dass sie 35 ist, bleibt den Damen vor Verblüffung der Mund offen stehen. Manchmal kann sie darüber lachen. Manchmal ärgert es sie, nicht für voll genommen zu werden.

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Eiskalte Leidenschaft

Für die „Rote Zora“ oder das „Beschwipste Huhn“ fährt mancher Eisfan quer durch den Landkreis. Die Eisbecher bei „Busches Eis“ in Wernigerode sind begehrt. Denn Familie Busche versteht ihr Handwerk: Seit drei Generationen wird hier Eis hergestellt.

Wenn Lutz Busche morgens um 10 das rote Eisfenster öffnet, hat er schon fünf Stunden Arbeit hinter sich. „Pünktlich um 5 beginne ich mit der Produktion“, sagt er und steigt über eine Außentreppe hinauf in den ersten Stock, um die „heiligen Hallen“ zu zeigen. Tatsächlich ist nur ein winzig kleiner Raum, in dem aus Milch, Sahne, Zucker und all den anderen Zutaten das Eis gerührt wird.

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Rizinus unterm Kirchturmdach

In 36 Meter Höhe befindet sich in Harzgerode die deutschlandweit einzige Apotheke in einer Kirche. Seit 2006 besuchten 150000 Neugierige die St. Marien-Kirche mit dem Museum, in dem man erfährt, wie einst Pillen gedreht wurden und dem Gewölbe, in dem  die so genannte „Blekprinzessin“ ruht.

Manfred Seifert steigt auch mit seinen 73 Jahren noch die 80 schmalen Stufen auf den Turm der Harzgeröder St. Marien-Kirche hinauf. Ein Weg, den er seit seiner Kindheit kennt. Hier oben in der Türmer-Wohnung lebte einst seine Tante Paula. Einige nannte sie Bimmel-Paula, wohnte und wachte sie doch mit ihrem durchs Holzbein gehandicapten Ehemann und sechs Kindern bis 1956 hier oben nahe der Kirchenglocken.

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