Die Retter der Lieblingsstücke

Das Wernigeröder „Repair-Café“ verbindet den Kampf gegen die Wegwerfkultur mit der Lust am Selbermachen. Das Konzept ist einfach: Handwerklich geschickte Ehrenamtliche helfen anderen, kaputte Sachen zu reparieren – den Staubsauger, der nicht mehr anspringt und den Toaster, der nur tiefschwarze Scheiben produziert. Bei Kaffee und Kuchen wird geflickt, gelötet und geschraubt.

Von FRANK DRECHSLER
Weihnachten ist gerettet. Das finden zumindest Renate und Karl-Heinz Papke aus Benneckenstein. Denn für ihre defekte Weihnachtsbeleuchtung, die nach den Feiertagen letztes Jahr den Geist aufgegeben hatte, muss das Ehepaar nun doch keine neue kaufen. Dank der Experten vom Repair-Café in Wernigerode. Die hatten die Lichterkette der Papkes in Nullkommanichts repariert. Schwibbbogen, Uralt-Laptop oder CD-Player, Milchaufschäumer, Staubsauger oder Batterieladegerät – irgendwann geben sie alle mal den Geist auf. Leider oft dann, wenn gerade die Garantie abgelaufen ist. Wegschmeißen und neu kaufen? Das muss nicht sein.

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„Mit extra viel Liebe“

Die Klamroths aus Westerhausen sind leidenschaftliche Landwirte. „Mit vielen glücklichen Kühen“, wie Tochter Sophie Emmi lächelnd versichert. Die 31-Jährige verarbeitet deren Milch zu Trinkmilch, Käse, Quark und Joghurt. Vor zweieinhalb Jahren hat sie ihren Hofladen eröffnet – ein Tipp für all jene, die frische Produkte aus der Region schätzen.

Von DANA TOSCHNER
Wer an der Fleischtheke drei Buletten verlangt, der wird im Westerhausener Hofladen sofort zurecht gewiesen. „Das sind doch keine Buletten“, sagt die Verkäuferin mit gespielter Empörung. „Das sind unsere Hofladen-Klopse, mit extra viel Liebe gemacht.“ Die Kundin grinst und beißt hinein. „Stimmt, genauso schmecken sie auch.“

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Da rockt der Bergmann

Die vier Macher des „Miner’s Rock“ haben es geschafft, innerhalb von nur zwei Jahren das ehemalige Erzbergwerk Rammelsberg in Goslar, UNESCO-Weltkulturerbe, zu einer anerkannten Location für gute Musik zu machen. Die musikalischen „Schichten“ werden an zwei Wochenenden im Jahr gefahren. Im Sommer steht nun erstmals ein Open Air an. Sören Behme, Christian Burgart, Giovanni Graziano und Arkadiusz Szczesniak berichten von ihrem Herzensprojekt.

Von MIRIAM FUCHS
Kennengelernt haben sich die vier bereits vor rund zehn Jahren. Gemeinsam engagierten sie sich im Verein Goslarer Musik Szene und waren verantwortlich für das Line-up und die Organisation der „Jungen Bühne“ auf dem Goslarer Altstadtfest. Doch die Möglichkeiten, dieses Event auszubauen, waren begrenzt. „Wir wollten einfach für unsere Stadt noch mehr passieren lassen“, sagte Giovanni Graziano. Das „Miner’s Rock“ wurde geboren.

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Der weiße Namibier

Sebastian Umbach ist Sozialarbeiter in Ilsenburg. Seine Gedanken aber sind oft ganz weit weg, in Katutura, dem Armenviertel der namibischen Hauptstadt Windhuk. Seit neun Jahren sammelt er mit seinen Mitstreitern Spenden für eine Suppenküche, die dort Kinder mit einer warmen Mahlzeit versorgt.


Von DANA TOSCHNER
Wenn Freunde ihn den „weißen Namibier“ nennen, grinst Sebastian Umbach. „Ich würde mir selbst natürlich nie solch einen Namen geben. Aber durch meine vielen Besuche kenne ich das Land inzwischen sehr gut. Also ein bisschen was ist schon dran“, räumt er ein. Eigentlich ist der 45-Jährige Sozialarbeiter in Ilsenburg. Seit 21 Jahren kümmert er sich um Drogen- und Gewaltprävention, spricht mit Jugendlichen über Rechtsextremismus, ist Ansprechpartner in Krisensituationen. Doch sein Herz schlägt nicht nur für diese Arbeit – und natürlich für seine Familie –, sondern auch für Afrika.

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Im Schwebezustand

Manchmal gibt es sie, diese Wochen, in denen alles zu gelingen scheint. In denen man so viel Lob und Anerkennung erntet, dass man sich im Schwebezustand wähnt. Kathrin Katt erlebt gerade so ein Hochgefühl. Die Halberstädterin wurde von der MDR-Sendung „Garten“ zur besten Floristin des Jahres gekürt.

Von DANA TOSCHNER
Eigentlich ist es so gar nicht ihr Ding, im Mittelpunkt zu stehen, alle Augen auf sich gerichtet zu wissen. Und nun auch noch eine Kamera. Aber Kathrin Katt hat beschlossen, sich nicht zu zieren und über ihren Schatten zu springen. Schließlich hat man nicht alle Tage einen Fernsehredakteur am Telefon, der mit seinem Team im eigenen Geschäft drehen will. „Ich dachte im ersten Moment, die wollen mich verscheißern“, sagt sie lachend.

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Die Türmer von Eilenstedt

Vom Eilenstedter Kirchturm war vor zehn Jahren nur noch ein Haufen Steine übrig. Er drohte einzustürzen und musste abgetragen werden. Der Verlust des Dorf-Wahrzeichens schmerzte die Einwohner. Heute hat Eilenstedt einen neuen Turm, den eine engagierte Truppe mit Leben füllen will.

Von DANA TOSCHNER
Man sagt, Glaube kann Berge versetzen. In Eilenstedt, einem 970-Seelen-Dorf bei Halberstadt, sollte der Spruch eher heißen: Glaube kann Türme errichten. Denn der mächtige Kirchturm, der weithin sichtbar auf einer Anhöhe thront, hat eine besondere Geschichte zu erzählen. Aus der Nähe betrachtet wirkt der Turm seltsam: Direkt an die alten Mauern der benachbarten Kirche schließt sich der moderne Turm aus schmucklosen Sichtbeton-Teilen an.

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Wie in einem alten Film

Das Thalenser Kino ist ebenso herrlich altmodisch wie sein Name: Central-Theater heißt das kleine, gemütliche Haus. Direkt gegenüber des Bahnhofs hat es überlebt und seinen ganz eigenen Charme bewahrt.

Von FRANK DRECHSLER
Popcorn gibt’s in jedem Kino. Auch bei Sylvia Walther im Central-Theater in Thale. Zu der süßen Nascherei aus Mais gibt es hier aber auch noch eine andere Version – nämlich die gesalzene. „Wir haben zwei Popcorn-Maschinen im Einsatz. Für jede Sorte eine. Das salzige Popcorn hat durchaus seine Liebhaber gefunden“, erklärt Sylvia Walther, die das Kino von der Stadt Thale gepachtet hat und seit dem 1. Dezember 2001 führt.

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Schlossherr mit Bohrmaschine

„Schlafen wie die Grafen“ verspricht ein Schild an der Hauptstraße im kleinen Stecklenberg. Wer hier abbiegt, wird überrascht. Michael Pinnow hat aus der Ruine des Schlosses ein erstaunliches kleines Hotel geschaffen, das er immer noch weiter verschönert.

Von DANA TOSCHNER
Einen Schlossherren stellt man sich gemeinhin als Anzugträger vor, mit seidenem Einstecktüchlein in der Tasche und Siegelring am Finger. Das aber ist nichts für Michael Pinnow. Der 55-Jährige trägt viel lieber seine staubbedeckte Arbeitskluft: „Ich bin Hobbyhandwerker und traue mich überall ran. Trockenbau, Elektrik, Maurerarbeiten, das mache ich alles am liebsten selbst.“ Diese Leidenschaft fürs Bauen und Sanieren war es auch, die ihm 1999 den Mut und das Selbstvertrauen gab, das Schloss Stecklenberg zu kaufen, obwohl es in einem erbärmlichen Zustand war.

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Eine Werkstatt voller Geigen

Nur seiner Hartnäckigkeit und einer Staatsratseingabe hatte es der Wernigeröder Matthias Vorbrodt zu verdanken, dass er den Beruf des Geigenbauers erlernen durfte. Bis heute liebt er sein Handwerk. „Aus einem toten Werkstoff mache ich wieder etwas Lebendiges“, sagt er.

Von FRANK DRECHSLER und DANA TOSCHNER
Gefallen am Geigespielen hat Matthias Vorbrodt schon Mitte der 1980er Jahre an der Musikschule in Wernigerode gefunden. Auch beruflich sollte es später einmal in diese Richtung gehen. Seine Lehrerin an der Musikschule habe damals den Stein ins Rollen gebracht und ihm geraten, eine Lehre als Geigenbauer anzustreben. Warum auch nicht? Voller Hoffnung und mit einer Empfehlung der Lehrkräfte in der Tasche habe er sich dann beim VEB Musima in Markneukirchen im Vogtland beworben, erinnert sich Matthias Vorbrodt. Die Absage folgte prompt, es waren keine Lehrstellen mehr frei.

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Im Herzen ein Häuptling

Im Indianermuseum von Thomas Merbt in Derenburg wurden vor wenigen Tagen neue Szenen für „Alles Klara“ abgedreht. Die Folge soll im nächsten Jahr ausgestrahlt werden. Als Kulissen wurden dafür auch verschiedene neue Exponate, für die Merbt teils jahrzehntelang und weltweit auf der Suche war, in Szene gesetzt. Ein Blockhaus beispielsweise und auch der Cowboy-Verpflegungswagen, auf den Merbt besonders stolz ist.

Von FRANK DRECHSLER
Ein kleines Foto hängt an der Wand. Ganz hinten im Museum. Genau dort, wo Besucher seit kurzem die neuen Ausstellungsstücke sehen können. Das Foto zeigt einen amerikanischen Verpflegungswagen, der Cowboys mit Essen und Getränken versorgt. Diese alte Abbildung diente als Vorlage für den Nachbau eines eben solchen Wagens, wie er nun im Indianermuseum gleich vor dem Bild steht.

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